Erster Fahrbericht vom Kia e-Niro

Kia Motors hat ein klares Ziel vor Augen und möchte bis 2020 ihre Umweltstrategie „Green Car Roadmap“ vollständig umsetzen und sich als einer der weltweit führenden Anbieter emissionsarmer Fahrzeuge positionieren. Das Hybrid-Crossover Kia Niro und die Plug-in-Hybrid-Variante spielen hier bereits eine große Rolle, nun steht der rein elektrische Kia e-Niro in den Startlöchern und feiert am 6. April seine große Markteinführung. Wir sind den Stromer bereits gefahren.


Karosserie/Design

Die dritte Antriebsvariante des Kia Niro setzt auf die bekannte Crossover-Optik, unterscheidet sich im Auftreten allerdings gekonnt durch charakteristische Designmerkmale. Unverkennbar, der an der Front geschlossene Kühlergrill, der sich aber dennoch die markentypische „Tigernasen“-Form bewahrt und zudem den Ladeanschluss beherbergt. Der Lufteinlass weist ebenfalls eine Neugestaltung auf und das markante LED-Tagfahrlicht wird durch hellblaue Zierleisten zusätzlich hervorgehoben. Am Heck greift der e-Niro diese hellblauen Elemente wieder auf. Unverändert setzt auch der Stromer serienmäßig auf markante LED-Rückleuchten, die 17-Zoll-Leichtmetallfelgen sind allerdings neu.

Innenraum/Kofferraum

Für ein Elektrofahrzeug kommt der Kia e-Niro nicht nur äußerlich angenehm „konventionell“ daher, auch im Innenraum verzichten die Verantwortlichen auf einen spacigen Auftritt.

Der auffälligste Unterschied zu den beiden anderen Niro-Modellen entfällt im Innenraum auf den Bereich rund um das Drehrad für die Gangwahl. Aufgrund des Elektroantriebs – wird hier rein elektrisch über das einstufige Reduktionsgetriebe geschaltet – entfällt beim Kia e-Niro sowohl der gewöhnliche Gangwahlhebel wie auch der Mitteltunnel. So konnte unter anderem Platz für weitere Ablagen – wie beispielsweise für das Smartphone, das je nach Ausstattung sogar induktiv aufgeladen werden kann – geschaffen werden.

Beim e-Niro können Sie außerdem auf der Supervision-Instrumenteneinheit mit 7-Zoll-Display alle wichtigen Fahrinformationen und Elektroantriebsdaten ablesen oder über den Touchscreen unter anderem den Radius der Restreichweite, nahegelegene Ladestationen oder auch die tägliche oder gesamte CO2-Ersparnis anzeigen lassen.

Über den wahlweise 7- oder 8 Zoll großen Touchscreen können auch die Klimaanlage so programmieren, dass das Cockpit bei Betreten und pünktlich zum Fahrtantritt wohlig temperiert ist, während das Fahrzeug aber noch mit dem Stromnetz verbunden ist.

USB-Anschluss, Bluetooth-Freisprecheinrichtung sowie Schnittstellen für Android Auto und Apple CarPlay kann der Kia Niro in allen Antriebsvarianten serienmäßig vorweisen.

Sowohl das Platzangebot wie auch die Variabilität betreffend, kann der koreanische Stromer nicht nur andere Elektrofahrzeuge abschütteln, sondern locker mit Verbrenner-Crossover-Modellen mithalten.

Die eigens und speziell auf elektrifizierte Antriebe zugeschnittene Plattform spielt hier ihre gesamten Vorteile aus, die Integration des rein batterieelektrischen Antriebsstrangs hatte daher nur sehr geringe Auswirkungen auf das Raumangebot und so muss sich der e-Niro beim Platzangebot nur knapp seinen Schwestermodellen geschlagen geben, ein Unterschied der aber nur im direkten Vergleich auszumachen ist, reise ich auch als Großgewachsener auf der Rückbank des e-Niro wirklich sehr bequem und freue mich über ein luftiges Raumgefühl.

In punkto Kofferraum bietet der Kia e-Niro mit 451 Litern sogar 15 Liter mehr als der Hybrid und 125 Liter mehr als der Plug-in-Hybrid, die in den Fahrzeugboden integriert Batterie macht diesen Zuwachs möglich. Durch einfaches Umlegen der Rücksitzlehnen im Verhältnis 60:40 lässt sich der Gepäckraum bei Bedarf auf bis zu 1.405 Liter vergrößern und erweist sich als wunderbar geräumig.

Komfort/Fahrwerk/Bremsen

Der leise Elektroantrieb lässt uns besonders genau hinhören und sensibilisiert einen für andere Außengeräusche, treten nun Abroll- und Windgeräuche viel deutlicher in den Vordergrund. Mit einer serienmäßigen Isolierverglasung für die Frontscheibe sowie weiteren Maßnahmen bis hin zu dem speziellen Profil der Außenspiegelgehäuse, kann Kia diesen aber erfolgreich entgegenwirken.

Durch den Wegfall des Verbrennungsmotors und die größer verbaute Antriebsbatterie ergibt sich beim Kia e-Niro gegenüber seinen Schwestermodellen auch eine veränderte Gewichtsverteilung. Aus diesem Grund haben die Verantwortlichen nochmals eine Abstimmung am Fahrwerk vorgenommen.

Und den Koreanern ist diese sehr gut gelungen, wunderbar ausgewogen, ist der Kia e-Niro komfortabel ohne aber zu weich zu sein.

Die im Fahrzeugboden platzierte Batterie hat einen tieferen Fahrzeugschwerpunkt zur Folge und das Hauptgewicht des Antriebsstrangs liegt im Gegensatz zum klassischen Verbrenner zwischen den Achsen. Dies wirkt sich natürlich positiv auf das Handling aus.

Mittels den vier Modi Eco+, Eco, Komfort, Sport können Sie über „Drive Mode Select“ eine Feinjustierung vornehmen und den Kia e-Niro auf seinen jeweiligen Einsatz abstimmen.

Motor/Getriebe

Die Koreaner bieten den Kia e-Niro in zwei Leistungsvarianten mit unterschiedlich großen Lithium-Polymer-Batterien an. Der Autobauer rechnet jedoch nicht mal mit zehn Prozent Anteil bei der Variante mit 100 kW / 136 PS, die mit dem 39,2-kWh-Akku eine kombinierte Reichweite von 289 Kilometern realisieren soll.

Der kraftvollere Stromer mit 150 kW bzw. 204 PS war auch in unserem Testfahrzeug verbaut und verfügt über eine Batteriekapazität von 64 kWh. Gemessen nach dem neuen Testverfahren WLTP, kommt der vollelektrische Niro auf eine kombinierte Reichweite von 455 Kilometern, dies sollte Interessenten nun wirklich die Reichweitenangst nehmen, im Stadt-Zyklus kann der e-Niro mit einer Batterieladung sogar bis zu 615 Kilometer zurücklegen. Jeder Verbrenner hat hier das Nachsehen.

Doch immer sprechen alle von Reichweite, Reichweiten die mit einem Elektrofahrzeug im alltäglichen Betrieb gar nicht ausgereizt werden. Ein rein psychologischer Effekt, ist es doch viel interessanter zu wissen, wie viel verbrauche ich auf meiner gefahrenen Strecke, wie viel kostet mich der gefahrene Kilometer.

14,1 kWh zeigte uns der Bordcomputer auf hundert Kilometer an, dabei waren wir keineswegs zurückhaltend unterwegs, auf der Fahrt durch kurvenreiche und hügelige Landstraßen konnten wir jedoch hervorragend Energie rekuperieren und selbst in der Stadt waren es weniger als 12 kWh, während wir uns auf der Autobahn zwischen 14,7 und 14,9 kWh einpendelten.

Unabhängig von der gewählten Motorisierung bringt es der e-Niro auf ein maximales Drehmoment von 395 Nm, wie üblich bei E-Mobilen steht dieses auch hier schon von unten heraus voll an und sorgt für agilen Vortrieb, in der von uns gefahrenen stärkeren Version vergehen lediglich 7,8 Sekunden für den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100, die Einstiegsversion muss sich hier mit zwei Sekunden geschlagen geben und reicht mit 155 km/h auch nicht an die Topspeed von 167 Stundenkilometern heran.

Auf einen Schnellladeanschluss muss aber auch der kleine e-Niro nicht verzichten und lässt sich an einer 100-kW-Station in 42 Minuten von 20 auf 80 Prozent aufladen. An einer 7,2-kW-Ladestation mit 230 Volt Spannung vergehen fast sechs Stunden, an einer Haushaltssteckdose sind es fast 18 Stunden. An der Ladezustandsanzeige oben auf dem Armaturenbrett können Sie sich auch von außen einen Überblick über den Ladevorgang verschaffen.

Um den niedrigen Außentemperaturen im Winter entgegenzuwirken und den Einfluss auf die Akkuleistung zu minimieren, ist der Kia e-Niro ab der Version Vision serienmäßig mit einem Vorheizsystem für die Batterie ausgestattet. Die 150-kW-Version ist darüber hinaus mit einer energiesparenden Wärmepumpe für die Innenraumklimatisierung ausgestattet.

Doch wie fährt sich der Kia e-Niro? Die One-Pedal-Lösung beim neuen Nissan Leaf hat uns begeistert, nun spricht man auch beim neuen Kia e-Niro von „One-Pedal“, doch wer das Fahrzeug wirklich nur über das Gaspedal steuern und das Bremspedal schonen bzw. meiden möchte, muss auch die Wippe am Lenkrad bemühen.

Denn nur durch vollständiges ziehen der linken Wippe kommt der Kia e-Niro zum Stehen. Insgesamt kann über die Wippe zwischen den Einstellungen Stufe 1, Stufe 2, Stufe 3 und eben „One Pedal Driving“ gewechselt werden. Nehmen Sie den Fuß vom Gas, setzt sofort der verbundene Bremseffekt ein, wobei die Intensität der Rekuperation je nach gewähltem Level zunimmt, bis hin zum vollständigen Stillstand. Das Spiel hat man ziemlich schnell raus, dass gilt auch für das Zusammenspiel zwischen Fuß und Hand an der Wippe.

Es gibt noch eine weitere Wippe, rechts vom Lenkrad. Hiermit aktivieren Sie den Auto-Modus. Statt eine feste Rekuperations-Stufe zu wählen oder zwischen diesen zu wechseln, können Sie dies der Automatik-Funktion überlassen. Und hier spielt Kia gegenüber Nissan seinen Trumpf aus.

Wählt der Kia e-Niro nun mit Hilfe der Kamera der adaptiven Geschwindigkeitsregelanlage automatisch die für die jeweilige Fahrsituation optimale Einstellung. Und zu einer möglichst energieeffizienten Fahrweise tragen zudem vorausschauende Fahrerassistenztechnologien bei. Die mit Hilfe von Navigationsinformationen den Rekuperations-Level der vorausliegenden Fahrstrecke anpassen und auch Fahrradfahrer erkennt und darauf reagiert. Während unserer Testphase funktionierte diese Vorgehensweise hervorragend.

Sicherheit

Im Kia e-Niro trifft eine moderne Antriebstechnologie auf ein breites Spektrum an modernen Assistenzsystemen.

Die adaptive Geschwindigkeitsregelanlage mit toller Stop-and-go-Funktion und Stauassistent ist bereits serienmäßig an Bord. So hält das Crossover nicht nur den Abstand zum Vordermann, der e-Niro übernimmt neben dem Beschleunigen und Abbremsen auch das Lenken, erkennt die Fahrbahnmarkierungen und bleibt mittig in der Spur.

Zum guten Ton, zählt bei Kia e-Niro außerdem der Frontkollisionswarner inklusive Notbremsassistent mit Fußgängererkennung, aktiver Spurhalteassistent, Fernlichtassistent und Müdigkeitswarner. In der Ausstattungslinie Spirit legt Kia zudem den Spurwechselassistent mit Totwinkelwarner und den tollen Querverkehrwarner zur Erkennung von Fahrzeugen im toten Winkel beim Querausparken oben drauf.

Ausstattung/Kosten

Ab sofort kann der neue Kia e-Niro bestellt werden, die Basisausführung in Verbindung mit der 100-kW-Version startet bereits bei 34.290 Euro, abzüglich der staatlichen Förderung von 4.380 Euro brutto unterschreitet der Kia e-Niro sogar die 30.000 Euro Marke und ist somit für einen Stromer sehr gut eingepreist.

Der Listenpreis für die 150-kW-Version ist mit 38.090 Euro aufgeführt, auch hier gilt es, wie bei den Ausstattungslinien Vision und Spirit die 4.380 Euro abzuziehen. Womit die Topversion des Kia e-Niro letztlich nicht 44.790 Euro, sondern 40.410 Euro kosten wird.

Möchtest Sie den Kia e-Niro als Dienstwagen nutzen, profitieren Sie außerdem von der ab Januar 2019 geltenden Neuregelung, halbiert sich bei voll förderfähigen Elektro-Dienstwagen der so genannte geldwerte Vorteil, der versteuert werden muss. Für einen Kia e-Niro mit 150 kW in der gehobenen Ausführung Vision, der in der Preisliste mit 41.790 Euro geführt ist, bedeutet das bei durchschnittlicher Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsplatz (17 km) und bei einem Steuersatz von 30 Prozent eine jährliche Steuerersparnis von 1.136 Euro. Bei höherem Steuersatz oder längerem Arbeitsweg steigt dieser Betrag entsprechend.

Last but not least, sichert sich Kia mit der 7-Jahre-Herstellergarantie nun schon seit 2010 ein reizvolles Alleinstellungsmerkmal. Für den koreanischen Automobilbauer absolut selbstverständlich, erstreckt sich diese einmalige Garantie auch auf die Antriebsbatterie.

Stand: Dezember 2018; Test: auto-reise-creative; Fotos: Kia

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