Ring frei für den Hyundai i30 N

Hyundai bringt unter der von ihnen bezeichneten Performance-Marke „N“ das erste Hochleistungsmodell von der Rennstrecke auf die Straße und das in Form eines erschwinglichen und alltagstauglichen Serienmodells, dem Hyundai i30 N. Doch was steckt alles hinter dem zusätzlichen Buchstaben „N“?

Zunächst möchten wir das Geheimnis um den Buchstaben „N“ lüften, steht dieser nicht nur für das koreanische Forschungs- und Entwicklungszentrum Namyang. Hinter dem „N“ im Namen steckt auch der Nürburgring sowie die dort vorzufindende ultimative Schikane, deren Form aus der Vogelperspektive gesehen ebenfalls ein „N“ ergibt.

Vom Start weg in zwei Ausführungen erhältlich, in 250 PS starken Basis-Version und als Performance sogar mit 275 PS, können Sie ab Januar 2018 Ihren Kompaktsportler sogar mit speziellem N-Line-Zubehör aufrüsten, von Renn-Schalensitzen bis hin zu 3-fach verstellbaren Hinterachs-Stabilisatoren.

Zugleich ist das erste N-Modell der Vorbote einer komplett neuen Hyundai-Performance-Marke. Und dass die Koreaner damit einiges erreichen wollen, zeigt allein ein Blick auf das zusammengestellte Team. Hat man sich hier sowohl Ingenieure aus den Häusern AMG und McLaren sowie den ehemaligen BMW M Entwicklungschef Albert Biermann ins Boot geholt.

Karosserie/Design

Wie die Modellbezeichnung erahnen lässt, baut der erste wirkliche Sportler aus dem Hause Hyundai auf dem neu aufgelegten Hyundai i30 auf. Vom klassischen i30 entfernt sich die „N“-Version aber schon rein optisch auf sehr ausdrucksstarke Art und Weise.

Das Heck trumpft mit den doppelten Endrohren und einer dritten Bremsleuchte im schwarz glänzenden Heckspoiler in Triangelform. Ebenfalls in hochglänzendem Schwarz lackiert sind die Außenspiegel und Seitenschweller. In perfektem Gegensatz stehen hierzu die roten Bremssättel.

An der Front setzt die N-Version eher auf Understatement. Der für Hyundai-Modelle mittlerweile kennzeichnende Kaskaden-Kühlergrill wird hier in Schwarz gehalten und mit einem N Logo versehen. Die rote Zierleiste an der schwarzen Frontlippe sorgt auch an dieser Stelle für einen gelungenen Kontrast.

Die von Haus aus verbauten Voll-LED-Scheinwerfer wurden darüber hinaus mit einer schwarzen Blende hinterlegt. Während das LED-Tagfahrlicht bei diesem i30 horizontal verläuft, um so größere Lufteinlässe für eine bessere Kühlung zu schaffen.

Im Vergleich mit dem zivilen i30 steht die N-Variante je nach Felgengröße vier bis acht Millimeter tiefer und wie auch schon am Heck, sind auch die vorderen Stoßfänger auf Sport getrimmt.

Innenraum/Kofferraum

Doch nicht nur Außen hat Hyundai den i30 N in einen Sportanzug gepackt, im Cockpit vermittelt neben dem schwarz ausgeführten Dachhimmel vor allen Dingen das toll geformte Gestühl das besondere N-Gefühl. Die elektrisch verstellbaren und auf Wunsch in Teilleder bezogenen Sportsitze ermöglichen einen hervorragenden Sitz, die optimale Position ist schnell gefunden, kann sogar die Oberschenkelauflage verstellt werden.

Die hier verarbeiteten blauen Ziernähte tauchen außerdem am speziell ausgeführten runden Schaltknauf und dem Lenkrad auf. Gleiches gilt für das N-Logo, kennzeichnen diese das Hochleistungsmodell auch an diesen Stellen.

So auch in der Instrumenteneinheit vorzufinden, wirkliche Racing-Gefühle wecken aber vor allen Dingen die dort verbauten LEDs für die Drehzahlanzeige, die den idealen Schaltpunkt anzeigen.
Überraschenderweise setzen die Koreaner beim Lenkrad auf eine klassische runde Ausführung, was aber keineswegs negativ zu bewerten ist. Ist das Sportlenkrad mit perforiertem Leder bezogen und wunderbar griffig.

Und beim Lenkrad können wir auch gleich bleiben, können wir hier über zwei große Tasten die Fahrprogramme des N Grin Control Systems anwählen.

Komfort/Fahrwerk/Bremsen

Ein Sportfahrwerk mit adaptiven Stoßdämpfern mit der Ride Control ermöglicht die Realisierung unterschiedlicher Fahrzeugcharaktere. Wenn auch die elektronisch geregelte Differenzialsperre, hier N Corner Carving Differential genannt, auch pures Rennfeeling aufkommen lässt. Das Fahrzeugchassis wurde darüber hinaus ordentlich überarbeitet und deutlich verstärkt. Dabei hat es das Team aber längst nicht belassen und den Hyundai i30 N auf der Nordschleife akribischen Fahrwerkstests unterzogen.

Auf der linken Lenkradseite finden wir also die Taste für die klassischen Straßen-Fahrmodi Eco, Normal und Sport, inklusive dreistufiger Zwischengasfunktion. Auf der gegenüberliegenden Seite lockt mit dem Zielflaggensymbol jedoch die „N“-Taste.

Schalten wir hiermit nicht nur alle Regelsysteme auf pure Performance, wir können auch in den Custom-Modus wechseln und den i30 N wirklich perfekt auf uns abstimmen. Und das meinen wir wirklich so, insgesamt spricht Hyundai von unglaublichen 1.944 verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten.

Über den acht Zoll großen Monitor ansteuerbar, gehen die Einstellungen wirklich sehr einfach von der Hand. Außerdem können wir in Verbindung mit dem optionalen Navigationssytem diverse N Performance Driving Daten abrufen, sei es Leistung, Drehmoment, Ladedruck oder aber die wirkenden G-Kräfte. Eine Stoppuhr für die gefahrenen Rundenzeiten finden wir dort ebenfalls.

Gerade diejenigen, die auf einen sportlich abgestimmten Motor und eine straff-direkte Lenkung Wert legen, aber kein zu hartes Fahrwerk und zu lautes Motorgeräusch wollen, werden an der Custom-Funktion ihre wahre Freude haben.

Wir haben mit dem N-Modi bereits eine perfekte Abstimmung gefunden, liegt er nun spürbar härter hervorragend auf der Straße. Er macht aus deren Beschaffenheit zwar kein Geheimnis, von unangenehmer Härte können wir aber trotzdem nicht sprechen.

Das Handling des N ist so spielerisch, er präsentiert sich zu keiner Zeit giftig. Ein Untersteuern scheint er ebenso wenig zu kennen wie Lastwechselreaktionen. Wie sehr wir den i30 N auch reizen, in Stress artet es nie aus.

Der Spaßfaktor ist so derart groß und selbst bei Nässe unglaublich hoch. Diese Performance haben wir bei den verregneten Wetterverhältnissen nun wirklich nicht erwartet – einen Allradantrieb haben wir zu keiner Zeit vermisst.

Wer mit seinem i30 N wirklich öfter den Einsatz auf der Rennstrecke sucht, der wird wohl nicht auf die in der Performance-Variante erhältliche Versteifung im Kofferraum verzichten wollen. Die Strebe findet hinter den Rücksitzen auf Höhe der Radaufhängung ihren Platz und kann bei Bedarf auch entfernt werden.

Einfallsreichtum haben die Ingenieure auch bei der Servolenkung bewiesen, ist diese direkt am Lenkgetriebe platziert und überträgt somit höhere Kräfte, vermittelt mir eine noch präzisere Rückmeldung und reagiert angenehm spontan auf Lenkbefehle.

Liebe zum Detail beweist Hyundai auch bei der Bereifung, ob nun auf den 18 oder den 19 Zoll großen Pneus, auf den speziell für Hyundai gebrandeten Reifen ist stets die Kennung „HN“ zu finden.

Das sichere Gefühl geht zu keiner Zeit verloren. Die Bremsen tun letztlich ihr übriges hinzu und packen mit ordentlich Biss und stets zuverlässig zu. Die groß dimensionierten Scheibenbremsen sind in der Performance-Variante rundum innenbelüftet und nochmals größer als im Basis-“N“, die roten Bremsbeläge tragen hier außerdem das N Logo.

Und auch auf der Straße fühlt er sich absolut zu hause, ist man im alltäglichen Einsatz im normalen Fahrmodus unterwegs, scheint man sogar völlig zu vergessen in einem i30 N zu sitzen. In diesem Fahrzeug stecken wirklich zwei Charaktere.

Motor/Getriebe

Der Zweiliter-Vierzylinder hat von Hyundai weit mehr als nur einen großen Turbolader verpasst bekommen und ist in zwei Leistungsstufen erhältlich. Warum wir an dieser Stelle gar nicht näher auf die 250 PS Version eingehen und gleich zum 275 PS starken i30 N Performance kommen möchten? Ganz einfach, nur die Sportabgasanlage des Performance verfügt über die variable Klappensteuerung und wenn die Topversion noch so einiges anderes mit sich bringt, so wäre allein dieses Feature unser ausschlaggebendes Kaufargument.

Unabhängig von der Leistungsstufe, bringt es der Hyundai i30 N auf 353 Newtonmeter die im Overboost-Modus sogar auf 378 Newtonmeter angehoben werden – die für maximal 18 Sekunden aktivierte Funktion wird uns über ein grünes Symbol in der Instrumenteneinheit angezeigt – doch die Performance-Variante dreht sogar bis 4.700 Umdrehungen hoch, bringt es auf ein Leistungsplus von 18 kW bzw. 25 PS und ist mit einem Sprint-Wert von 6,1 Sekunden um 0,3 Sekunden schneller.

Um diesen Wert zu erreichen, sollten Sie die serienmäßige Launch Control bemühen, sorgt diese elektronische Unterstützung für eine optimale Beschleunigung aus dem Stand heraus und das ohne durchdrehende Räder. Nutzen können Sie diese Spielerei im N Modus.

Mit einem Druck auf den Zielflaggen-Knopf stehen Ihnen aber nicht nur solch Features zur Verfügung und das Fahrverhalten ändert sich. Mit der Sportabgasanlage inklusive einer variablen Klappensteuerung lässt er nun auch akustisch seine Muskeln spielen und passt den Sound ganz den persönlichen Vorlieben und dem gewählten Fahrmodi an. Was die Herren hier aus einem Vierzylinder herausgeholt haben ist einfach beeindruckend. Während sich der Motor im alltäglichen akustisch sehr zurückhält, weckt er im N-Modus den Rennwagen in sich.

Und wenn wir davon auch eigentlich nicht genug bekommen können, so genügt ein einfacher Tastendruck und schon schlüpft der Rennwagen i30 wieder in die Rolle des alltagstauglichen Kompaktklassewagen.

Ja, auch der Hyundai i30 N Performance ist nicht nur ein Racer, ob die N-Version im Alltag jedoch die vom Hersteller angegebenen Verbrauchswerte (innerorts 9,7, außerorts 5,7, kombiniert 7,1; CO2-Emissionen in g/km kombiniert: 163) erreicht, muss ein ausführlicher Test aufzeigen.

Kommen wir aber noch einmal zurück zum sportlichen Aspekt, die Topspeed liegt mit 250 Stundenkilometern bei beiden Modellen wieder gleich auf. Und tatsächlich hat der Hyundai i30 N selbst bei Tempo 200 noch überraschende Kraftreserven, da staunen nicht nur die Großen.

Den 2.0 T-GDI koppelt Hyundai ausschließlich an einen Sechsgang-Handschalter, wunderbar präzise und auf knackig kurz geführten Wegen eine absolute Freude, der Wunsch nach einem Doppelkupplungsgetriebe kam gar nicht erst auf. Was zuletzt auch an der automatischen Zwischengas-Funktion „Rev Matching“ lag, die Gangwechsel waren so noch schneller möglich.

Sicherheit

Bei all der Euphorie lässt Hyundai aber auch die Sicherheit nicht außer Acht und packt unter dem Begriff „SmartSense“ zahlreiche Assistenzsysteme zusammen. Sei es die City-Notbremsfunktion, der aktive Spurhalteassistent, der Aufmerksamkeitsassistent oder aber der Fernlichtassistent, in beiden Ausführung sind diese bereits serienmäßig mit drin. Die Verkehrszeichenerkennung ist Teil des optionalen Navi-Pakets.

Ausstattung/Kosten

Die erste koreanische Rennsemmel ist zu Preisen ab 29.700 Euro zu haben, die von uns bevorzugte Performance-Variante gibt es für einen Aufpreis von 2.500 Euro gegenüber dem „Basis“-i30 N. Dieser bringt dann neben purem Hörgenuss auch 25-Mehr-PS mit sich, rollt auf 19- statt 18-Zöllern daher, bekommt größere Bremsen aufgezogen, einen Regensensor verpasst, die Türen öffnen hier von vorne herein schlüssellos und mit dem elektronischen Sperrdifferenzial setzt er auch in diesem Punkt auf noch mehr Sportlichkeit.

Last but not least legt Hyundai die 5 Jahre Fahrzeuggarantie OHNE km-Begrenzung auch bei bei beiden N-Performance-Modellen oben drauf.

Stand: November 2017; Test und Fotos: auto-reise-creative

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