Nissan Pulsar 1.6 DIG-T

Okay, es ist jetzt nicht der 290 PS-Kraftprotz, sondern „nur“ das 190 PS-Modell, der Alltagssportler also, den Nissan mit dem 1.6 DIG-T da anbietet, aber so ein klein Nissan Pulsar 190 06wenig mehr dürften sie auch das zeigen. Ein bisschen mehr Spoiler, etwas mehr Auspuff und Sound, etwas mehr Sportsitze … ein wenig enttäuscht ist man schon, wenn er da so ganz schlicht vor einem steht. Da kommt dann wohl doch noch ein NISMO hinterher!?!? Aber die Enttäuschung legt sich schnell, denn dass einen alle unterschätzen hat ja auch was und wenn man den 190 Pferdchen die Sporen gibt, dann galoppieren sie in immerhin 7,7 Sekunden auf Hundert und rennen bis zu 217 km/h schnell. Das ist doch was. Und eine gute Straßenlage und knackige Lenkung wie auch Schaltung kommen noch hinzu. Und fährt man etwas zurückhaltender, dann sind 5,5 Liter drin – allerdings mogelt der Bordcomputer. Ab 24.140,- Euro geht’s los …

Karosserie/Design

Understatement wird beim derzeitigen Topmodell der Pulsar-Reihe groß geschrieben. Und so fällt der 190 PS-Ableger erst mal optisch kaum auf, nur wer genau hinsieht erkennt an den 17- oder auch 18 Zoll Rädern im 205er/215er Breitformat und dem dicken Chromauspuff den derzeit stärksten Spross. Okay, es gibt verschiedene Pakete (Style, Sport, Sport Edition etc.) mit denen man die Front- und Heckschürze etwas aufpeppen kann, die Alupedale und Einstiegsleisten ins Fahrzeug holen oder die mit Hilfe von Folien den Carbon-Look auf’s Auto zaubern, aber das kann man gegebenenfalls auch beim Einstiegsmodell.

Aber vielleicht ist das ja alles Absicht, denn zumindest als Konzept gibt es ja schon Infos und Bilder vom Pulsar Nismo, und der trägt dann so richtig dick auf. Nun ja, im Falle des 1.6 DIG-T müssen wir erst mal damit leben, dass viele die echte Leistung dieses Pulsar unterschätzen und sich dann ganz verblüfft eines Besseren belehren lassen müssen. Auch nicht ganz schlecht.

Nissan Pulsar 190 03Innenraum/Kofferraum

Und so sind es dann auch nur einige wenige Dinge, die einem nach dem Einsteigen als Unterschiede gegenüber den schwächeren Modellen auffallen, wobei es auch hier häufig nur ausstattungsbedingte oder optionale Features sind. Zu letzteren gehören gleich zu Beginn die Einstiegsleisten und Alupedale, die ins Auge stechen. Als nächstes schmeichelt das lederummantelte Lenkrad vor allem den Händen und mit seinen schicken weißen Nähten erst dann dem Auge.

Das hat die Topausstattung beispielsweise ebenso serienmäßig wie den 5,8 Zoll großen Farbmonitor, der u.a. das ebenfalls serienmäßige Navigationssystem Nissan Connect und das 360° Around View darstellt, auch die Klimaautomatik macht mit den eher altbackenen Drehrädern für Heizung und Lüftung der Klimaanlage Schluss und bietet zudem für Fahrer und Beifahrer getrennte Regelungen an. Nicht verschweigen wollen wir die Applikationen in Carbon-Optik, die das Cockpit zieren.

Wer jetzt wenigstens bei den Sitzen krasse Unterschiede erwartet wird ebenfalls enttäuscht, ein wenig optische Kosmetik in Form von weißen Nähten ist da fast schon alles, trotzdem sitzt man nicht schlecht, hat auf beiden Seiten Höhenverstellung und Lordosenstütze. Die Sitzheizung geht als Extra für 290,- Euro mit und Ledersitze können auch hier extra geordert werden.

Mit das markanteste Merkmal des sportlichen Pulsar ist der Start-Knopf links vor dem Schalthebel, mit dem die 190 Pferdchen unter der Haube aktiviert werden. Doch dazu später …

Nissan Pulsar 190 09Kommen wir also noch mal kurz zu den Sitzen, die aus dem normalen Pulsar stammen und in die man sich etwas einsitzt. Sie bieten vor allem für die Leistung etwas zu wenig Seitenhalt, obwohl sie davon schon mehr bereitstellen als man auf den ersten Blick vermuten würde. Sie könnten in jedem Fall auch optisch etwas mehr auf Sport getrimmt sein.

Die Schalter sind soweit alle beleuchtet, auch die im Lenkrad und für die elektrischen Fensterheber und sogar die, mit der u.a. links unterhalb vom Lenkrad der Toter-Winkel-Warner und der Spurhalteassistent eingeschaltet werden, sind da unten auch nur bedingt blind zu ertasten. Warum beide zusammen nur mit einem Knopf aktiviert werden? Mir persönlich wäre es zudem lieber, wenn sie nicht bei jedem Neustart automatisch aktiv wären, besser mit Hinweissymbol im Display über dessen Deaktivierung. Angezeigt wird schließlich im Display zwischen Tacho und Drehzahlmesser ja auch, ob der Spurhalteassistent aktiviert ist, gleiches gilt auch für den Tempomat und das ausgewählte Tempo. Nicht so dramatisch, mehr gestört haben mich die immer wiederkehrenden Fehlalarme des Toter-Winkel-Warners auf der Landstraße.

Auch aufs Navi muss ich nochmals kurz zurückkommen. Eingabe und Routenführung funktionieren im Prinzip wunderbar, schnell und intuitiv, und sogar Verkehrsstörungen und ggf. empfohlene Umleitungen werden eingearbeitet. Wieso sich das Navi im Test aber von einer Straßensperrung zum großen Umweg verleiten ließ, die gar nicht auf der vor- und eingeschlagenen Route lag und dort auch keinerlei Verkehrsstörung verursachte, wird wohl immer sein Geheimnis bleiben.

Komfort/Fahrwerk/Bremsen

Als Alltagssportler weiß der Nissan Pulsar durchaus zu überzeugen. Auch wenn das Fahrwerk modifiziert wurde und mit neu abgestimmten Federn und Dämpfern straffer ans Werk geht, vergisst er nie seine guten Manieren, federt Unebenheiten wie auch Kopfsteinpflaster sauber weg. Und auch die schon bei den zivileren Brüdern gelobte Lenkung arbeitet mit noch mehr Nissan Pulsar 190 02Rückmeldung und ein wenig mehr Straffheit keineswegs unkomfortabel.

So animieren nicht nur die gesteigerte Leistung gerne mal zum flotteren Fahren, und dann fällt der nicht mehr ausreichende Seitenhalt der Sitze erst so richtig auf. Der Pulsar selbst bleibt lange leicht untersteuernd und geht erst spät deutlicher über die Vorderräder, bleibt aber gut beherrschbar, sein Heck ist stets recht ruhig.

Recht ruhig bleibt der Pulsar 1.6 DIG-T auch bei 180 km/h und darüber hinaus, mehren sich dann aber die Querrillen, dann wird er spürbar unruhiger und das Fahrzeug beginnt förmlich zu hoppeln. Die Geräusche werden zwar lauter, die vom Wind halten sich aber auch dann noch angenehm zurück.

Die Bremsanlage hat auch den um 75 PS stärkeren Pulsar gut im Griff, packt fest zu, ist gut dosierbar und lässt den Wagen aus Tempo 100 nach weniger als 35 Metern zum Stehen kommen, dank Scheibenbremsen rundum ist auch kein Nachlassen bei hoher Belastung festzustellen. Nichts zu meckern also.

Meckern will ich aber an anderer Stelle. Das LED-Fahrlicht ist zwar schön hell, es endet aber nicht nur etwas früh, sondern dann auch noch mit einer recht unglücklichen und harten Linie mit einer Einkerbung und krassen Kante, und davor ist es stockdunkel, die Breitenstreuung ist okay. Wenn man dann das Fernlicht anmacht, legt sich das – ohne LED – deutlich gelber darüber.

Und noch was hat mich ein wenig gestört: Obwohl man den Regensensor auch in der Empfindlichkeit einstellen kann, findet man nicht immer die passende Geschwindigkeit. Schon die Veränderung um nur eine Raste kann die Arbeitsweise von geht fast gar nicht auf rast viel Nissan Pulsar 190 07zu schnell variieren und auch so macht er zwischendrin schon mal ein wenig was er will, dann kann es sein, dass er trotz der langsamen Einstellung für kurze Zeit mal so richtig hektisch wird, oder sich aber auch andersrum sehr viel Zeit lässt bis er wieder wischt.

Und wo wir gerade beim Wischen sind: Pfeift der Fahrwind irgendwie falsch unter die Scheibenwischer oder warum wischen die während der Fahrt mit viel Schlieren und Flecken und sobald man steht wieder absolut sauber? Kleinigkeiten, die auf keinen Fall den positiven Gesamteindruck auch und vor allem was die üppigen Platzverhältnisse vorne wie hinten angeht nicht wirklich schmälern, auch wenn wir in diesem Bericht nicht nochmals ausführlich auf den Platz für Mensch und Gepäck eingehen wollen, bei Interesse folgen Sie dazu dem Link zu unserem Test vom Pulsar 1.2 DIG-T.

Motor/Getriebe

140 kW / 190 PS gehen beim 1.6 DIG-T ans Werk, dazu gesellt sich ein maximales Drehmoment von 240 Nm zwischen 1.600 und 5.200 U/min. Lässt man den Pferdchen freien Lauf, sprintet der Pulsar in 7,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und wird 217 km/h schnell. Dabei klingt der Vierzylinder-Benziner so nicht schlecht, brummt ganz schön, als derzeit stärkstes Modell stelle ich mir aber doch etwas mehr Krawall vor. So denke ich einfach, es wird doch noch mal eine NISMO-Version geben.

Bleiben wir bei dem was wir haben, der Nissan Pulsar mit 140 kW zieht zu jeder Zeit sehr gut hoch, auch bei 180 baut er sofort ordentlich Schub auf und bringt die Kraft auch gut über die Vorderräder auf die Straße. Gerade noch bummelt man niedertourig dahin, ändert er blitzschnell die Charakteristik und hängt dann gierig am Gas.

Ebenso schnell werden aus den 5,5 Litern, die wir bei defensiver Fahrweise laut Bordcomputer im Mix verbraucht haben auch schnell mal 7 Liter. Aber beides ist nur die halbe Wahrheit, Nissan Pulsar 190 10denn der Verbrauchswert des Bordcomputers wich vom real getankten Sprit um gut einen Liter auf 100 km nach unten hin ab.

Bei Tempo 130 auf der Autobahn hat man einen unaufdringlichen Soundbrei aus Motor und Abrollgeräuschen, von Windgeräuschen ist noch nicht viel zu hören. Bei Schnitt 130 hat unser Testwagen laut Bordcomputer 6,5 Liter verbraucht, nur 10 km/h weniger und der Spritkonsum reduziert sich bereits auf 5,6 Liter. Mit einem CO2-Ausstoß von 138 g/km im Mix mit der 18 Zoll Bereifung erfüllt er Abgasnorm Euro 6.

Kombiniert ist der 1,6-Liter Benziner mit einem Sechsgang-Handschalter, der von seiner Abstimmung her gut zum Motor passt. Der Schalthebel geht angenehm straff auf kurzen Wegen, praktisch ohne nennenswerten Ruckler, durch die Kulisse, man kann bei Bedarf auch sehr schnell schalten. Der Rückwärtsgang ist durch einen Ring vor versehentlichem Einlegen gesichert.

Sicherheit

Ein Kapitel, in dem sich der sportliche Pulsar keine Einschränkungen gegenüber den zivileren Brüdern leistet. Sechs Airbags sind ebenso an Bord wie die heutzutage üblichen Sicherheitsgurte und Kopfstützen auf allen Plätzen, Isofix und zweifach verstellbare Lenksäule, Licht- und Regensensor.

In unserem Testwagen waren zudem ein automatisch abblendender Innenspiegel, ein autonomer Notbremsassistent und der aktive Spurhalteassistent verbaut.

Ausstattung/Kosten

Nissan Pulsar 190 05Los geht der Nissan Pulsar 1.6 DIG-T mit 190 PS als Acenta bei 24.140,- Euro gefolgt vom N-Connecta für 25.550,- Euro und der Tekna als Topmodell startet bei 27.260,- Euro und lässt auch nur noch wenig Extrawünsche aufkommen.

So gehören die speziellen 18 Zoll Alufelgen mit 215er Breitreifen ebenso zum Standard wie die Klimaautomatik, Nissan Connect Navigationssystem, Around View Monitor 360°, Tempomat, el. Fensterheber und Außenspiegel, Radio-CD mit sechs Lautsprechern, LED-Scheinwerfer und vieles mehr.

Sonderlackierungen reichen von 200,- Euro für Weiß über 560,- Euro für eine Metallic-Lackierung bis hin zu 650,- Euro für Perleffekt-Weiß. Alle weiteren Infos auch zu den Sport- und Style-Paketen finden Sie auf dieser Nissan-Seite.

Weitere Bilder (zum Vergrößern bitte anklicken):

Stand: April 2016; Test und Fotos: auto-reise-creative

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.