Puh … keine leichte Woche für all jene, die bei legendären Automarken noch auf Charakter und Identität hoffen. Den Ferrari-Schock noch nicht einmal verdaut, da steht mit dem neuen Lancia Gamma bereits die nächste Enttäuschung ins Haus. Mit ersten Bildern gibt die italienische Marke nun einen Ausblick auf ein Modell, das die künftige Ausrichtung von Lancia verkörpern soll.

Mir fehlt auf den ersten Blick jedoch dieses typische „Wow, DAS ist ein Lancia“-Gefühl. Gerade bei einer Marke, die früher so viel Eleganz, Eigenständigkeit und italienische Extravaganz ausgestrahlt hat. Wenn ich an alte Modelle wie den Gamma Coupé, Thema oder natürlich Delta denke, dann hatten die trotz aller Eigenheiten immer Charakter. Dieser neue Lancia Gamma wirkt dagegen eher wie ein weiterer Stellantis-Fastback-Crossover mit italienischer Note obendrauf.
Die Silhouette hat zwar schon etwas Elegantes und deutlich mehr Stil als viele andere aktuelle SUV-Crossover. Und diese flache Dachlinie und das Heck wirken durchaus hochwertig. Aber genau da liegt für mich das Problem: hochwertig ja — ikonisch nein.
Und gerade bei Lancia hätte ich mir mutigeres Design gewünscht. Mehr Emotionalität. Mehr „italienische Seele“. Stattdessen sehe ich aktuell sehr viel Plattformstrategie und sehr wenig echte Marken-DNA. Dieses ganze Fastback-Crossover-Thema sieht inzwischen halt bei gefühlt jeder Marke ähnlich aus. Peugeot hier, DS dort, Cupra dazwischen … und nun eben Lancia.
Was mich zusätzlich stört: Der Name „Gamma“ trägt historisch schon Gewicht. Der ursprüngliche Gamma war eigenständig, luxuriös und irgendwie herrlich seltsam auf eine gute Art. Jetzt bekommt der Name ein SUV/Fastback-Crossover verpasst.

Ich finde ehrlich gesagt, dass Lancia aktuell an einem sehr gefährlichen Punkt steht: Die Marke könnte entweder wieder zu einer emotionalen italienischen Premium-Alternative werden … oder einfach zu einem hübscheren Stellantis-Ableger mit Nostalgie-Logo. Und genau diese Sorge habe ich bei den ersten Bildern leider sofort gespürt.
Vielleicht rettet das finale Fahrzeug noch einiges live — Proportionen, Details, Innenraum, Farben. Italienische Autos wirken in echt oft stärker als auf Pressebildern. Aber Stand jetzt war mein erster Gedanke auch eher: „Das soll wirklich der große neue Lancia sein?
Zu den Fakten:
Der neue Lancia Gamma basiert auf der STLA-Medium-Plattform des Stellantis-Konzerns und kombiniert das Format eines modernen Crossovers mit der flachen Silhouette eines Fastback. Mit 4,67 Metern Länge, 1,89 Metern Breite und 1,66 Metern Höhe setzt Lancia auf ein Fahrzeugkonzept, das Alltagstauglichkeit und Präsenz vereinen soll — auch wenn dabei aus meiner Sicht ein gutes Stück klassischer Lancia-Eigenständigkeit verloren geht.

Zum Marktstart plant die Marke mehrere Antriebsvarianten. Den Einstieg markiert ein Hybridmodell mit 145 PS, das laut Hersteller mehr als 1.000 Kilometer Reichweite ermöglichen soll. Darüber hinaus sind verschiedene vollelektrische Versionen vorgesehen: angefangen bei 230 PS und über 540 Kilometern Reichweite bis hin zu einer 245-PS-Variante, die sogar mehr als 740 Kilometer schaffen soll. Die stärkste Ausführung setzt auf Allradantrieb und 350 PS, kombiniert mit einer angegebenen Reichweite von bis zu 675 Kilometern.
Verfügbar sein wird der neue Gamma zunächst ausschließlich in ausgewählten europäischen Märkten. Aktuell ist Lancia in Italien, Frankreich, Spanien, Portugal, den Niederlanden, Belgien und Luxemburg vertreten. Eine Rückkehr nach Deutschland wurde zwar mehrfach angedeutet, konkrete Pläne gibt es bislang allerdings nicht. Entsprechend bleibt der neue Gamma deutschen Interessenten vorerst verwehrt. Der Bestellstart in den genannten Märkten ist für Spätsommer beziehungsweise Herbst vorgesehen.
Stand: Mai 2026; Fotos: Lancia



