Jeep Wrangler Unlimited Rubicon

Jeep Wrangler 16 TW 07Urtümlich, abenteuerlustig, wandlungsfähig und unverwüstlich wie der einzigartige Jeep Wrangler seit jeher ist, lässt das Urgestein die Herzen der eingefleischten Fans auch heute noch höher schlagen. Sind es genau die, die an so mancher Stelle auch den einen oder anderen Kompromiss eingehen, eine gewisse Leidensfähigkeit mitbringen und gerade den Charme der vergangenen Tage schätzen. Auch ein im Jahr 2007 eingeführter Dieselantrieb oder die serienmäßige elektronische Stabilitätskontrolle ESP konnten das Raubein nicht verweichlichen. Es ist einfach dieses ungebrochene Gefühl von Unabhängigkeit und Freisein, das der Jeep Wrangler als direkter Nachfahre des Ur-Jeeps verkörpert wie kein anderer.

Karosserie/Design

Und wenn die Optik auch unbestritten in die Jahre gekommen ist, so ist es gerade dieser urige, jeeptypische Auftritt, den wir lieben.

Im kommenden Jahr soll der Jeep Wrangler erstmalig von einer völlig neuen und modernen Version abgelöst werden – wir blicken dieser Entwicklung skeptisch entgegen. Zumindest besteht die Hoffnung, dass der jetzige Wrangler parallel weiter gebaut wird und so genießen wir lieber noch einmal den Ritt mit dem aktuellen Modell.

Jeep Wrangler 16 TW 05Mit den sieben senkrechten Rippen im Kühlergrill, eingerahmt von den traditionell runden Scheinwerfern, der gerade in der Rubicon-Version sehr kraftvollen Motorhaube mit Klappverschlüssen an den Seiten, den stark ausgeprägten Radläufen, den markanten Türscharnieren sowie den getrennt angeschraubten Leuchten am Heck und dem dort montierten Reserverad, ist der Wrangler unverkennbar ein Jeep und weckt schon beim bloßen Anblick unsere Abenteuerlust.

Einfachheit und Funktionalität soll im Vordergrund stehen, so auch beim abnehmbaren Hardtop. Doch gerade bei unserem viertürigen Wrangler Unlimited fällt auf, der Jeep kann auch „schwerfällig“ sein.

Zwar können die zwei vorderen Paneele des dreiteiligen modularen Freetop Hardtop-Systems einzeln und unabhängig voneinander, mit nur wenigen Handgriffen und ohne großen Kraftaufwand von einer Person abgenommen werden, doch einen festen Platz finden Sie im Fahrzeug nicht, können aber zumindest im Kofferraum verstaut werden. Eine Decke wäre hier ratsam, um die Dachteile vor eventuellen und unschönen Kratzern zu schützen.

Open-Air-Genuss ist jetzt bereits für den Fahrer wie auch den Beifahrer garantiert und so ist ein kompletter Strip nicht zwingend nötig – mal angenommen, die Insassen auf der Rückbank fordern nicht ebenfalls Oben-Ohne-Feeling.

Jeep Wrangler 16 TW 10Doch wenn, dann können die gleich mal mit Hand anlegen. Ist hier nicht nur etwas Geschick und Werkzeug von Nöten, vor allen Dingen Muskelkraft ist notwendig um das große, sperrige und schwere Hardtop ab- und auch wieder aufzubauen.

Wer sich die Zeit genommen und auch einen Platz für das Hardtop gefunden hat, kann den Offenfahrspaß aber noch weiter ausreizen. Lassen sich nicht nur die Türen aushängen, auch die Frontscheibe kann nach vorn umgeklappt werden. Zumindest, wer im Gelände unterwegs ist, denn auf unseren offiziellen Straßen ist das natürlich verboten.

Innenraum/Kofferraum

Auch innen geht es im Jeep Wrangler recht urig zu und dennoch ist in den letzten Modellgenerationen stets eine „Modernisierung“ zu verzeichnen.

Im aktuellen Wrangler fällt besonders das dicke, griffige Leder-Lenkrad ins Auge. Im Jeep Grand Cherokee erstmals verbaut, hält das Dreispeichen-Lenkrad zudem Bedienelemente beispielsweise für das Audiosystem, die Freisprecheinrichtung und den Tempomat bereit.

Außerdem finden wir in der Instrumenteneinheit einen Bordcomputer vor, der sowohl über die Reichweite, den Durchschnittsverbrauch oder aber den Reifendruck informiert. Und selbst eine digitale Tachoanzeige hat der Wrangler in petto, dessen grobpixelige Darstellung den Flair vermittelt auch nicht fehl am Platz zu sein.

Jeep Wrangler 16 TW 03Mit dem uconnect Multimedia-System inklusive 6,5 Zoll Display ermöglicht der Offroader einerseits das Abspielen der guten alten CD, kann aber andererseits auch problemlos mit dem Smartphone vernetzt werden. Unser Rubicon war außerdem mit dem uconnect Navigationssystem inklusive Touchscreen für 890,- Euro ausgestattet, neben einem DVD-Laufwerk hatten wir so auch eine 30-GB-Festplatte und einen AUX-IN-Player-Anschluss an Bord. Ein Stecker für USB ist immer Serie.

Der Tradition entsprechend, fallen im gesamten Cockpit sichtbar verbaute Sechskant-Inbus-Schrauben ins Auge, wie auch eine Plakette „Jeep, Since 1941“ am Haltegriff für den Beifahrer – die uns an dieser Stelle die Brücke zum großen 75jährigen Jubiläum schlagen lässt.

Ja, der gute „alte Charme“ bleibt und so wirkt auch die bis dato aktuellste Version nach der Modellpflege ein wenig veraltet, aber das ist in Ordnung.

Dringend eine Überarbeitung notwendig hätten jedoch die superweichen Sitze. Seitenhalt wie auch eine Lordosenstütze sucht man vergebens und so ist es mit dem Langstreckenkomfort nicht zum Besten bestellt.

Noch schlechter ergeht es den Passagieren auf der Rückbank, diese nimmt zwar bis zu drei Personen auf, doch die kurze Beinauflage und die steil stehende Lehne lädt einfach nicht zum Verweilen ein.

Jeep Wrangler 16 TW 15Durch die Möglichkeit, diese durch einfaches Ziehen an Laschen im Verhältnis 60/40 umzulegen – klappen die Lehnen einfach nach vorn, die Sitzfläche senkt sich automatisch ab und die Kopfstützen klappen nach hinten weg – kann aber andererseits der Laderaum ruck-zuck von 498 auf bis zu stolze 2.320 Liter erweitert werden.

Zugang zum Ladeabteil verschaffen Sie sich durch Öffnen des unteren Teils der Heckklappe – die allerdings zur falschen Seite aufschwingt. Um größere Gegenstände einzuladen oder uneingeschränkten Zutritt zu erlangen, kann zusätzlich die Heckscheibe hochgeklappt werden.

Komfort/Fahrwerk/Bremsen

So weich wie die Sitze, so weich präsentiert sich auch das Fahrwerk, was bei angepasster Fahrweise einen guten Fahrkomfort ergibt. Und das, obwohl vorne wie hinten Starrachsen und Schraubenfedern zum Einsatz kommen, auf denen ein stabiler Leiterrahmen ruht.

Sobald man jedoch eine schnelle Gangart anschlägt, fängt die Karosserie an zu schaukeln und der Eiertanz beginnt. Letztlich bremst uns beim Kurvenritt das ESP aber so vehement herunter, dass wir schnell den ESP-Off-Schalter betätigen. Nun geht es laut quietschend und auch gerne mit höherem Tempo durch die Kehre. Doch auch jetzt bleibt der Jeep Wrangler in manch haariger Situation gutmütig, man darf sich nur nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Auch nicht von der indirekten, gefühllos schwammigen Lenkung ohne jegliche Rückmeldung! Wer das Fahrzeug allerdings nicht all zu oft wechselt, hat sich auch daran im Nu gewöhnt.

Jeep Wrangler 16 TW 13Reine Gewöhnung ist auch die schlecht einseh- bzw. abschätzbare Karosserie. So überblickt man zwar von der hohen Sitzposition alles recht gut und auch ein Ende des Hecks kann dank des dort platzierten Reserverades abgeschätzt werden, doch gerade vorn wären Parksensoren wünschenswert. Ist die gut 20 Zentimeter hervorstehende Stoßstange einfach nicht einsehbar.

Mit einem Wendekreis von 12,3 Metern ist der viertürige Unlimited auch nicht unbedingt der Wendigste, kann aber dafür bis zu 2.200 Kilogramm an die Anhängerkupplung nehmen.

Gerade mit Last am Haken kommt es auf die Bremsen an. Mit Scheibenbremsen rundum (vorne innenbelüftet) und ABS bestückt, sind die Bremswerte des Jeep Wrangler letzten Endes vertretbar. Aber auch hier ist das Bremspedal recht weich, womit ein vorausschauender Blick auch in diesem Punkt ratsam ist.

Wirklich nichts vormachen kann man dem Jeep Wrangler in jedem Fall im Gelände. So schnell sind dem Jeep Wrangler keine Grenzen gesetzt und selbst Besitzer moderner Offroader mit diversen Assistenten und Hilfen an Bord geraten hier ins Staunen.

Während diese noch überlegen, ob sie sich da wirklich durchwühlen wollen, ist der Jeep Wrangler schon mittendrin. Mit einem Böschungswinkel von 31,4° hinten und 38,4° vorne, einer Bodenfreiheit von 257 mm, der Wattiefe von 76 cm und einer maximalen Verschränkung ist der Vortrieb und somit die Freiheit schier grenzenlos.

Der Willi-Enkel zeichnet sich als 2.8 l CRD Rubicon außerdem durch das zuschaltbare Jeep Wrangler 16 TW 08Rock-Trac-Allradsystem mit einer 4:1-Geländeuntersetzung, einer Offroad-Kalibrierung des ABS, den sperrbaren Tru-Lok Achsdifferenzialen und dem elektronisch entkoppelbaren Frontstabilisator aus.

Die perfekten Voraussetzungen fürs harte Gelände sind somit gegeben – Ausreden gibt es keine mehr. Jetzt kann es eigentlich nur noch am Mut des Fahrers scheitern.

Damit dieser in der Botanik auch nicht verloren geht und jederzeit den sicheren Weg zurück auf die asphaltierte Straße findet, hält das optionale Navigationssystem eine Offroad-Funktion bereit.

Motor/Getriebe

Unter den Fans vertreten einige die Meinung, ein Diesel hat im Jeep Wrangler nichts zu suchen. Natürlich kommt der 2.8 CRD nicht an die Beschleunigungswerte und vor allen Dingen den Sound des 6-Zylinder-Benziners heran, dennoch kann der CRD überzeugen und das letztlich nicht nur wegen seines wesentlich geringeren Verbrauchs.

Während der 3,6 Liter Ottomotor auf 209 kW / 284 PS kommt, leistet der 2,8 Liter Common Rail-Turbodiesel immerhin 147 kW / 200 PS, ist jedoch ein Vierzylinder.

Stets an eine Automatik mit nur fünf Schaltstufen gekoppelt, arbeitet diese recht komfortabel und an sich ausreichend schnell – alles in allem, passt diese „eingestaubte“ Getriebeversion recht gut zum Fahrzeug.

Im Gegensatz zum V6, der 347 Newtonmeter auf die Räder bringt, kann der 2.8 l CRD mit 460 Newtonmeter aufwarten. Das maximale Drehmoment steht nach einem beherzten Tritt ab Jeep Wrangler 16 TW 061.600 Touren voll an und so geht es dann in 13,5 Sekunden von null auf Tempo 100.

Da es dem Geländegänger rundum an Dämmung fehlt, macht der Selbstzünder aus seinen Bemühungen kein Geheimnis und somit zieht er lautstark aber auch munter weiter. Mit zunehmendem Tempo geht im allerdings mehr und mehr die Luft aus und der Kult-Offroader erreicht bei 172 Stundenkilometern seine Topspeed. Hier liegt der Jeep Wrangler übrigens überraschend gut auf der Straße.

Wer ihm nicht die Sporen gibt, ist sehr gelassen unterwegs und kommt beim Jeep Wrangler Unlimited 2.8 CRD locker mit 9,5 Litern aus. Womit wir nur knapp den von Jeep angegebenen Verbrauchswert von 9,1 Liter verpasst haben. Im Alltäglichen sollte man dann aber doch eher mit ein bis zwei Litern mehr rechnen.

In Stadtverkehr fällt der Unterschied zwischen den beiden Aggregaten übrigens noch deutlicher aus, verbraucht der Sechszylinder hier gut sechs Liter mehr und das bereits auf dem Papier. Dieses gibt innerorts einen Verbrauch von 10,6 und außerorts von 8,2 Litern an, während der CO2-Ausstoß im Schnitt bei 239 g/km liegt.

Sicherheit

Toter-Winkel-Warner, Spurassistent, Notbremsassistent und wie sie alle heißen, die heutigen Assistenzsysteme … im Jeep Wrangler findet man diese nicht, sucht sie ehrlich gesagt aber auch nicht.

Dafür finden wir immerhin mehrstufige Frontairbags und Seitenairbags vorn, einen Bremsassistent, eine Berganfahrhilfe, einen Bergabfahrassistent, ein Reifendruck-Jeep Wrangler 16 TW 01Kontrollsystem, ein Kindersitz-Befestigungssystem, eine energieabsorbierende Lenksäule, ein elektronisches Überrollschutzsystem, Gurtstraffer, Seitenaufprallschutz, Gurtkraftbegrenzer, ABS, ESP und eine Antriebsschlupfregelung ASR vor.

Ausstattung/Kosten

Kommen wir abschließend zum Kapitel „Preis/Leistung“. Natürlich sind 45.400,- Euro für den Jeep Wrangler Unlimited Rubicon ein ordentliches Sümmchen, für einen eingefleischten Fan aber eine lohnenswerte Investition. Die dann sogar bereitwillig um den ein oder anderen Euro erhöht wird, finden wir das Hardtop, die uconnect Navigation, die Sitzheizung oder z. B. die Lederausstattung erst in der Aufpreisliste.

Günstigster Einstieg in die Jeep Wrangler Welt stellt die zweitürige Variante Sport für 35.900,- Euro dar, die wiederum ausschließlich als Diesel erhältlich ist. Der „4-Türer“-Unlimited-Aufschlag liegt jeweils bei 3.000,- Euro. Die Ausstattungen Sahara und Rubicon machen dann aber bei der Motorisierung keinen Preisunterschied.

Zu jedem Jeep Wrangler gehört eine 4-Jahres-Garantie, die sich aus der regulären 2-jährigen Fahrzeuggarantie und einer Neuwagenanschlussgarantie für weitere zwei Jahre zusammensetzt – stets ohne Kilometerbegrenzung und inklusive europaweiter Mobilitätsgarantie.

Weitere Bilder (zum Vergrößern bitte anklicken):

Stand: August 2016; Test und Fotos: auto-reise-creative

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