Es gibt Automobile, die weit mehr sind als ein Fortbewegungsmittel. Die Generationen geprägt, Menschen begleitet und sich mit ihrem ganz eigenen Charakter einen festen Platz in der Automobilgeschichte gesichert haben. Der Citroën 2CV gehört zweifellos dazu.

Die legendäre Ente war nie besonders schnell, luxuriös oder technisch extravagant. Dafür war sie praktisch, erschwinglich, sympathisch und vor allem unverwechselbar. Ein Auto, das man nicht einfach nur fuhr, sondern irgendwie ins Herz schließen musste.
Mit dem Citroën 2CV Concept lassen die Franzosen auf dem Pariser Autosalon 2026 nun eine ihrer größten Ikonen wiederauferstehen. Elektrisch, kompakt, bezahlbar und mit zahlreichen liebevollen Erinnerungen an das Original.
Ich freue mich riesig über die Idee, den Citroën 2CV wiederzubeleben. Und trotzdem bin ich beim ersten Anblick ein wenig hin- und hergerissen.
Nein, die neue Ente ist keineswegs eine Enttäuschung. Aber ich bin überzeugt, dass hier gestalterisch noch mehr möglich gewesen wäre. Manche Partien wirken auf mich zu glatt, zu gefällig und nicht charakterstark genug. Gerade bei einem Fahrzeug, dessen Original so herrlich eigenwillig war, hätte ich mir etwas mehr Raffinesse und Mut gewünscht.
Zwischen einer sympathischen Neuinterpretation und einer wirklich charakterstarken Wiedergeburt liegt für mich noch ein Stück Weg.

Die freistehenden Rundscheinwerfer, die gewölbte Dachlinie und das Faltdach sind schöne Verweise auf das Original. Doch gerade die großen, glatten Karosserieflächen nehmen der Studie aus meiner Sicht etwas von der Schrulligkeit, die die Ente so unverwechselbar machte. Der historische 2CV war nie perfekt gestylt. Und genau darin lag ein großer Teil seines Charmes.
Bereits 1948 feierte der ursprüngliche Citroën 2CV auf dem Pariser Autosalon seine Premiere. 78 Jahre später kehrt die Ente genau dorthin zurück, wo ihre außergewöhnliche Geschichte einst begann.
Mehr als fünf Millionen Exemplare wurden bis zum Produktionsende 1990 gebaut. Dabei entstand der 2CV ursprünglich aus einer denkbar einfachen Idee: Ein Automobil sollte vier Personen und 50 Kilogramm Kartoffeln transportieren können, wirtschaftlich sein, leicht zu warten und möglichst unkompliziert zu fahren.
Dass daraus einmal eine automobile Kultfigur werden würde, ahnte damals wohl niemand.
Mit dem neuen 2CV Concept möchte Citroën diese Philosophie in die Gegenwart übertragen. Nicht als bloße Kopie des Klassikers, sondern als modernes Elektroauto, das sich auf die wesentlichen Bedürfnisse seiner Nutzer konzentriert.

Und diesen Gedanken finde ich ausgesprochen gut.
Denn während Automobile seit Jahren immer größer, schwerer und komplizierter werden, erinnert Citroën daran, dass individuelle Mobilität auch einfacher funktionieren kann.
Optisch greift die Studie zahlreiche charakteristische Merkmale des Originals auf.
Die freistehenden Scheinwerfer sind wohl die auffälligste Hommage an die historische Ente. Dazu kommen eine markante Motorhaube, eine steil stehende Windschutzscheibe, ausgeprägte Kotflügel und natürlich die typische gewölbte Dachlinie.
Auch die 18 Zoll großen Stahlräder erinnern mit ihrer Gestaltung an den legendären Vorgänger.
Allerdings hat Citroën die Karosserie deutlich moderner und glatter gezeichnet. Straffe Linien und großzügige Flächen ersetzen einen Teil jener verspielten Eigenwilligkeit, die das Original so besonders machte.
Und genau hier beginnt meine Kritik.
Die neue Ente ist durchaus sympathisch. Sie trägt unverkennbar die Gene ihres Vorbilds. Doch gerade in der Seitenansicht und bei der Gestaltung des Hecks fehlt mir noch etwas von diesem unverwechselbaren Charakter.

Das Original hatte Ecken, Kanten, charmante Unvollkommenheiten und eine Ausstrahlung, die sich jeder gewöhnlichen Designbewertung entzog.
Die Studie wirkt dagegen stellenweise beinahe zu brav.
Dabei hätte Citroën mit einer solch legendären Vorlage durchaus die Möglichkeit gehabt, gestalterisch noch etwas mutiger aufzutreten.
Besonders gelungen finde ich hingegen das klassische Stoff-Faltdach, das sich von Hand aufrollen lässt. Schließlich gehört das offene Fahrerlebnis ebenso zur Ente wie ihre unverwechselbare Silhouette.
Technisch verfolgt Citroën einen erfreulich bodenständigen Ansatz.
Mit einer Länge von nur 3,76 Metern fällt das neue 2CV Concept sogar neun Zentimeter kürzer aus als sein historischer Vorgänger.
Das Zielgewicht liegt bei rund einer Tonne. Ein bemerkenswert ambitionierter Ansatz in einer Zeit, in der selbst kompakte Elektroautos häufig deutlich schwerer ausfallen.
Durch das geringe Gewicht möchte Citroën eine vergleichsweise kleine Batterie einsetzen, den Energieverbrauch reduzieren und damit sowohl die Anschaffungs- als auch die Betriebskosten niedrig halten.

Konkrete Angaben zur Batteriekapazität, Motorleistung oder elektrischen Reichweite macht der Hersteller allerdings noch nicht.
Der künftige Serienableger soll zwischen dem Citroën Ami und dem C3 positioniert werden.
Besonders interessant ist dabei der angestrebte Einstiegspreis von rund 15.000 Euro.
Damit könnte Citroën tatsächlich eine attraktive Alternative für Menschen schaffen, die ein unkompliziertes Elektroauto für den Alltag suchen, ohne dafür ein kleines Vermögen ausgeben zu müssen.
Vorgesehen ist außerdem eine Produktion in Europa. Das Serienmodell soll bis 2028 vorgestellt werden und die geplanten europäischen E-Car-Regularien erfüllen.
Während mich das Außendesign noch nicht vollständig überzeugt, gefällt mir der Innenraum in vielerlei Hinsicht ausgesprochen gut.
Denn hier haben die Designer einige jener cleveren Ideen aufgegriffen, die schon das Original auszeichneten.
Statt eines gewöhnlichen Armaturenbretts setzt Citroën auf eine schlanke, zylinderförmige Konstruktion, die unter anderem das Lenkrad, die Bedienelemente und einen quadratischen 8-Zoll-Touchscreen aufnimmt.

Erfreulicherweise bleiben für wichtige Funktionen wie Temperatur, Lautstärke und Gebläse klassische Bedienelemente erhalten.
Auch das traditionelle Einspeichenlenkrad feiert ein Wiedersehen.
Die wichtigsten Fahrinformationen werden über das Citroën Smart Vision Display direkt im Blickfeld des Fahrers dargestellt. Sogar der historische Walzentachometer des Citroën GS findet hier eine digitale Neuinterpretation.
Besonders charmant sind allerdings die praktischen Lösungen.
Die vordere Sitzbank lässt sich herausnehmen und beispielsweise bei einem Picknick verwenden. Flexible Gurtschlaufen dienen als Türöffner, während ein herausnehmbarer Korb die klassische Mittelkonsole ersetzt.
Und dann wäre da noch das sogenannte Radioën, ein tragbares Radio, das gleichzeitig als Lautsprecher funktioniert und auch außerhalb des Fahrzeugs genutzt werden kann.
Das sind genau die kleinen Ideen, die ich mir bei einer modernen Ente wünsche.
Nicht Technik um ihrer selbst willen, sondern Einfallsreichtum mit praktischem Nutzen.
Auch bei den Materialien und Farben besinnt sich Citroën auf die Vergangenheit.
Die Karosserie trägt einen leuchtenden Orangeton mit gelben und roten Reflexen, während der Innenraum mit frischen Gelbtönen und einer Neuinterpretation der traditionellen karierten Sitzbezüge aufwartet.

Beigefarbene Elemente erinnern an das Bakelit früherer 2CV-Modelle. Strukturierte Stoffe, Holz und Materialien mit Anklängen an traditionelles Korbgeflecht unterstreichen die wohnliche Atmosphäre.
Besonders schön finde ich einige der kleinen historischen Anspielungen.
So sollen die Hupe und sogar das Geräusch des Elektromotors an den ursprünglichen 2CV erinnern.
Auf den Pedalen symbolisieren eine Schildkröte und ein Hase das Bremsen und Beschleunigen. Und die Türablagen sind tatsächlich so gestaltet, dass darin Eier transportiert werden können.
Eine augenzwinkernde Erinnerung an das ursprüngliche Lastenheft der Ente.
Auch die Zahlen 48, 90 und 26 auf der Windschutzscheibe haben ihre Bedeutung. Sie stehen für die Jahre 1948, 1990 und 2026 – von der Premiere des Originals über das Produktionsende bis zur Vorstellung der neuen Studie.
Solche Details mag ich. Sie erzählen Geschichten und verleihen einem Fahrzeug Persönlichkeit.

Trotz aller nostalgischen Anspielungen verzichtet Citroën nicht auf moderne Technologien.
Gemeinsam mit Michelin wurde beispielsweise ein digitaler Reifenzwilling entwickelt. Das System nutzt bereits vorhandene Fahrzeugdaten, um unter anderem Bodenhaftung, Reifenverschleiß, Reifendruck und Fahrbedingungen zu überwachen.
Auf dieser Grundlage soll das Fahrzeug sein Verhalten an unterschiedliche Straßenverhältnisse anpassen können.
Auch bei der Karosseriekonstruktion steht die Alltagstauglichkeit im Vordergrund.
Einfach gestaltete Bauteile und separat austauschbare Stoßfänger sollen Reparaturen erleichtern und Kosten reduzieren.
Gerade bei einem erschwinglichen Kleinwagen halte ich solche Ansätze für wesentlich sinnvoller als zusätzliche Ausstattungsdetails, die am Ende vor allem den Kaufpreis in die Höhe treiben.
Mit dem 2CV Concept schlägt Citroën grundsätzlich einen Weg ein, den ich nur begrüßen kann.

Die Wiederbelebung automobiler Klassiker bietet eine wunderbare Gelegenheit, Vergangenheit und Zukunft miteinander zu verbinden. Vorausgesetzt natürlich, man versteht, was diese Fahrzeuge einst so besonders machte.
Bei der neuen Ente stimmt für mich vieles.
Die kompakten Abmessungen, das geringe Gewicht, der geplante erschwingliche Preis und vor allem die zahlreichen cleveren Lösungen im Innenraum passen hervorragend zum ursprünglichen Konzept.
Beim Design bin ich dagegen noch nicht vollständig überzeugt.
Mir fehlt an manchen Stellen dieses gewisse Etwas. Diese sympathische Schrulligkeit, dieser unverwechselbare Charme, mit dem sich die historische Ente von allen anderen Automobilen unterschied.
Und genau deshalb hoffe ich, dass Citroën auf dem Weg zur Serienreife nicht noch mehr gestalterische Eigenständigkeit opfert.
Denn wenn die Studie bereits etwas zu glatt geraten ist, könnte ein weiter entschärftes Serienmodell am Ende zu emotionslos wirken.
Dabei hätte gerade die neue Ente das Potenzial, mehr zu sein als nur ein weiterer günstiger elektrischer Kleinwagen.
Sie müsste dafür allerdings noch eine deutliche Schippe Charakter und Raffinesse drauflegen.
Die Zutaten sind vorhanden. Jetzt kommt es darauf an, wie mutig Citroën sie tatsächlich miteinander verbindet.
Stand: Oktober 2026; Fotos: Citroën



