Wohnmobil im Winterschlaf

wohnmobil-winter-06Klar, manch ein Reisemobil taugt auch für das Campen in frostigen Nächten, wird auf den Stellplätzen in Schnee und Eis zur gemütlichen Skihütte. Doch die Mehrzahl der Fahrzeuge geht spätestens Anfang Dezember in den Winterschlaf. Dabei gibt es gewisse Regeln, die es zu beachten gilt, wenn das Rolling Home im Frühjahr wieder unversehrt in Betrieb gehen soll.

Das Wasser an Bord muss restlos verschwinden, bevor die Außen-Temperaturen ins Minus gehen. Das gilt für den Frisch- und den Abwassertank gleichermaßen. Beide sollten bei der Gelegenheit gleich gesäubert werden, die nützlichen Reinigungsflüssigkeiten gibt es im Fachhandel. Beim anschließenden Spülvorgang gilt es darauf zu achten, dass kein Restwasser in den Tanks, dem Boiler und den Zu- und Ableitungen verbleiben. Besonders die Siphons unter Spüle oder Waschbecken geben sich da gerne hartnäckig, durch sanften Druck (vorsichtig mit Pümpel oder Pumpe erzeugt) verschwinden auch die letzten Tropfen.

wohnmobil-winter-03Vorgebeugt werden muss in jedem Fall der Schimmelbildung. Bewegliche Polster oder Matratzen werden dafür senkrecht gestellt oder zumindest von Lattenrost oder der Unterkonstruktion abgehoben. Das beugt Stockflecken zuverlässig vor. Textile Fußbodenbeläge sollten außerhalb des Fahrzeugs an einem trockenen Ort gelagert werden. Eine Reinigung der Kühlbox oder des Kühlschranks empfiehlt sich ebenfalls vor der vorübergehenden Stilllegung. Dabei ist auf ausreichende Belüftung zu achten, Tür oder Deckel in jedem Fall einen Spalt geöffnet lassen. Was im Übrigen für das ganze Reisemobil gilt. Steht das Fahrzeug unter einem Wetterschutz, kann einer der Dachlüfter geöffnet bleiben. Wenn nicht, verhindert regelmäßiges Lüften Flüssigkeitsflecken durch Kondenswasserbildung zuverlässig.

Die Gummidichtungen an Türen und Fenstern können mit einer Silikonbehandlung ertüchtigt werden. Selbst die Führungsschienen von Rollos, Schiebetüren oder Schubladen kommen mit entsprechender Pflege gut durch den Winter. Bewegliche Teile am Unterboden wie Kurbelstützen danken die Pflege mit etwas Schmierfett im folgenden Frühjahr durch uneingeschränkte Leichtgängigkeit. Eine vorherige Reinigung des Unterbodens ist gewiss nicht schädlich, auch die Ausbesserung von eventuellen Lackschäden ist vor der Winterpause wohnmobil-winter-02ratsam. Die Bordbatterie ist abzuklemmen, die Wirksamkeit des Frostschutzes in der Kühlflüssigkeit des Motors zu prüfen. Empfohlen wird ein Schutz bis -30 Grad Celsius.

Behält das Reisemobil seinen Standplatz in den Wintermonaten unentwegt bei, sollte der Luftdruck der Reifen um etwa 0,5 bar erhöht werden. Außerdem lohnt es sich, das Fahrzeug zumindest alle 30 Tage um jeweils einen halben Meter in die gleiche Richtung zu rangieren, um einer Unwucht oder Beschädigung der Reifen vorzubeugen. Das gilt besonders für Pneus in fortgeschrittenem Alter.

Es gibt jedoch eine große Anzahl von Reisemobilen, die keine Saison kennen. Zumindest nicht, was ihren Praxisnutzen angeht und sie im Alltag als mehr oder weniger konventionelles Automobil genutzt werden. Führend sind hier die Campingbusse, die bei der Personenbeförderung, dem Einkauf beim Discounter, im Möbelhaus oder Baumarkt Variabilität voll ausspielen können. Zwar gilt, was Wasser-Haushalt und Kühlbox-Pflege angeht auch für sie, doch kommen sie – da wie ein Pkw konstruiert – danach ohne weitere Sorgsamkeiten durch den Winter.

wohnmobil-winter-04Mehr noch – manch unentwegter Camper geht auch mit ihnen auf Tour durch Eis und Schnee. Das Fahrverhalten der Campingbusse und Kastenwagen ist bedingt durch das geringe Gewicht und die günstige Achslastverteilung ohnehin besser als es bei den großen integrierten Mobilen der Fall ist. Front- oder sogar Allradantrieb hilft ihnen bei den meisten aller Traktionsanforderungen weiter, Schneeketten gehören dennoch ins Gepäck bei der Winter-Expedition im Campingbus. Dass die Fahrer eines „Sonstigen Kfz. Wohnmobil“ (wie es in der Zulassung steht) ebenso wie ihre Kollegen im Personenwagen die Winterreifenpflicht zu beachten haben, sei der Vollständigkeit halber erwähnt.

Die übrige Ausrüstung für das Reisen im Winter ist vielfältig und von Praktikern ersonnen und entwickelt. Im Fachhandel sind etwa Dämmmatten vorrätig, mit denen die textilen Wände eines aufgeklappten Hubdachs bei Minusgraden isoliert werden können. Auch für die Fenster der Campingbusse sind entsprechend geformte Wärmepolster zu haben. Wenngleich ihre Kraftstoffheizungen mit erheblicher Leistung stets für ein mollig warmes Klima an Bord sorgen. Sie arbeiten unabhängig vom Gasvorrat an Bord und nutzen als Brennstoff den Vorrat im Dieseltank des Fahrzeugs. Diese Heizungen lassen sich üblicherweise auch programmieren, was immer einen Fahrtantritt in einem wohltemperierten Fahrzeug garantiert.

wohnmobil-winter-05Dennoch setzen nahezu alle Wintercamper auf die entspannte Versorgungslage und die komfortablen Sanitäreinrichtungen der vielzähligen Wintercampingplätze, die häufig in traumhaften Winter-Wunder-Landschaften zu finden sind. Die meisten laden hervorragend ausgestattet in alpine Gefilde ein, Sauna und Wellness-Bereich gehört bei einigen von ihnen längst zum Standard. Andere Camps in den deutschen Mittelgebirgen haben ihr Angebot mit persönlichen Sanitärkabinen aufgerüstet, in denen Camper während der Zeit ihres Aufenthalts die Reinigungs-, Wasch- und Fönvorgänge aus dem eigenen Mobil auslagern können. Das verschafft mehr Bewegungsfreiheit und vermeidet allzu viel Feuchtigkeitsbildung in den eigenen vier mobilen Wänden.

Ob Winterschlaf, Alltagsfahrzeug oder rollende Skihütte – die kalte Jahreszeit beschert Reisemobilen und ihren Besitzern manch besondere Herausforderung, die es zu meistern gilt. Erst mit den zarten Frühlingsboten im nächsten Jahr werden sie wieder auf allen Stell- und Campingplätzen willkommen sein. Bis dahin: eine schöne Winterzeit – gleich ob aktiv oder passiv.

Stand: Dezember 2016; Fotos: Reisemobilpress

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