Nissan Navara

Während beispielsweise in den USA die Pick-ups vor allem außerhalb der großen Metropolen von den Straßen nicht mehr wegzudenken sind, sind sie bei uns immer noch selten anzutreffen, auch wenn sie sich vom reinen Arbeitstier längst zum Lifestyle-Fahrzeug gemausert haben.

Karosserie/Design

Auch der Nissan Navara kommt nicht ganz an der Tatsache vorbei, dass Pick-ups auch optisch immer „ziviler“ werden, Lifestyle und der Windkanal bestimmen mehr und mehr das Blechkleid, trotzdem hat sich der Navara noch viel von seinem bulligen Aussehen bewahrt und streckt seine mächtige Front selbstbewusst in den Wind.

Eine dynamische Frontschürze, ein mächtiger Chromgrill, verchromte Außenspiegel, Chromleisten um die Nebelscheinwerfer, verchromte Türgriffe, eine silbergraue Dachreling und Trittbretter sowie die dynamisch ausgestellten Radläufe, markante Sicken in der Motorhaube und eine schwungvolle untere Seitenfensterlinie sorgen bis hin zur verchromten Heckstoßstange und der zu einem Heckspoiler auslaufenden Klappe an der Ladefläche und nicht zuletzt den schicken, großen Alufelgen für den gelungenen Auftritt, mit dem man sich auch vor dem Nobelrestaurant oder der Modeboutique sehen lassen kann.

Innenraum/Kofferraum

Apropos sehen lassen, auch die Ladefläche des Navara kann sich sehen lassen, im Falle unseres Testwagens waren Boden und Seitenwände mit Aluminium mit Krähenfuß-Muster nicht nur bestens geschützt sondern auch schick anzusehen. Und in Verbindung mit der Doppelkabine wurde die Ladefläche mit 1.578 mm um fast 6 cm länger gegenüber dem Vorgänger. Die Auswahl an optionalen Abdeckungen, Klappen, ausziehbaren Ladeflächen, Wannen, Halterungen für Snowboards etc. ist mittlerweile groß.

Kommen wir also nach vorne. Der Einsteig geht natürlich bei der Fahrzeugkategorie ziemlich weit rauf, da müssen sich sogar Großgewachsene schon richtig anstrengen, gut dass es da die Trittbretter gibt, die brauchen vor allem kleinere Passagiere ganz dringend, machen ggf. aber auch mal dier Kleidung schmutzig. Große müssen zusätzlich aufpassen, dass sie sich nicht den Kopf anstoßen, denn obwohl es hoch rauf geht, ist die Kopffreiheit eher niedrig, das Dach steht wie bei einem Pkw dichter am Kopf. Ein bisschen entsteht das Gefühl in einem hoch gebockten Sportwagen zu sitzen.

Die Sitze passen, sind vorne ausreichend groß mit langer Sitzauflage und mit einer ordentlichen Ausformung, die kann aber nicht ganz verhindern, dass man auf der Lederpolsterung schon mal hin und her rutscht. Für den Fahrer gibt es eine elektrische Sitzverstellung, der Beifahrer muss manuell ans Werk gehen. Beide können sich mit einer Sitzheizung verwöhnen, die zumindest auf der zweiten Stufe sehr gut arbeitet.

Bei der Doppelkabine gibt es vier Türen, also gestaltet sich – abgesehen von der Höhe – auch hinten der Einsteig ganz gut und auch 1,80 m hinter einem 1,80 m großen Fahrer passt noch, allerdings sitzt man in Reihe zwei trotz einer Verbesserung des Winkels auf 23 Grad etwas steil. Eine eigene Lüftung gibt es jetzt hier hinten auch. Raus ist dann auch wieder okay, nur die Füße bleiben etwas an der B-Säule hängen.

Das Cockpit ist gefällig gemacht, zahlreiche Aluapplikationen und schwarzer Klavierlack lockern das ganze schön auf, zudem greifen sich die Materialien gut an, auch wenn durchwegs Hartplastik zum Einsatz kommt. Schade, dass es vorne – ausgerechnet da wo man bei einem Crash mit den Knien anstoßen kann – bretthart ist. Das Lederlenkrad ist angenehm griffig, für das große Fahrzeug dürfte es aber gerne etwas dicker sein und die Verstellmöglichkeit ist nicht gerade üppig.

Klimaanlage und die Bedienung rund ums Navi, den großen Bildschirm also, sind sehr modern, darunter die Schalter für den Allrad, die Sperre hinten, die Bergabfahrhilfe und die Sitzheizung sind dann wie auch die für die elektrischen Fensterheber etwas antiquiert. Es ist alles nicht nur gut erreichbar sondern auch einfach ohne Blick in das Nutzerhandbuch zu bedienen, die Schalter für Trip, Reset und Lichtstärke für die Instrumente sind etwas vom nur einfach zu verstellenden Lenkrad verdeckt, auch ESP und Auto-Off sind etwas weit nach links unten gerutscht.

Komfort/Fahrwerk/Bremsen

So ein Pick-up mit doch immerhin 5,30 Metern Länge ist gar nicht so spielerisch zu manövrieren, wenn es in eine enge Parklücke, um Ecken oder durch schmale Gassen gehen soll. Hier spielt Nissan mit der 360° Rundumsicht des Around View Monitors sowie mit der Rückfahrkamera seine Vorteile voll aus. Bei Wasserdurchfahrten, Kuppen oder starkem Gefälle machen sich diese Gimmicks auch im Gelände schnell unverzichtbar. Und auch bei Anhängerfahrten kann die 360°-Rundumsicht schnell von Vorteil sein, mit 3,5 Tonnen maximaler Anhängelast spielt der Navara auch ganz oben mit.

Los geht es mit dem Komfort beim schlüssellosen Zugangssystem INTELLIGENT KEY, dann lernt man schnell die Sitzheizung vorne schätzen, die Fahrlichtautomatik und die Geschwindigkeitsregelanlage mit Geschwindigkeitsbegrenzer bis hin zum NissanConnect Navigationssystem inklusive 7“-Touchscreen, USB-Schnittstelle, Google Services, Smartphone Integration, Bluetooth-Streaming …

Einen weiteren großen Schritt in Richtung Komfort macht der Nissan Navara mit dem Ende der hinteren Starrachse, das Heck wird damit spürbar komfortabler, kleinere Straßenschäden poltern nun nicht mehr bis nach innen, bei groben Schlaglöchern leidet der Komfort aber immer noch. Wird dann die Straße mal richtig schlecht, holpert er mächtig und schüttelt die Insassen massiv.

Kommt man auf trockener Straße mit dem Heckantrieb bestens zurecht, wird schon bei flotter Fahrweise der Wechsel auf den Allrad-Antrieb mit einem deutlich stabileren Fahrverhalten quittiert. Bei Nässe oder gar schneebedeckter Fahrbahn führt kein Weg an allen vier angetriebenen Rädern vorbei, auch wenn man dann beim Rangieren vor allem auf abtrocknender Straße schnell erkennt, dass alles recht schwer geht, Verspannungen spürbar werden und der Wendekreis sich von ohnehin12,4 Metern doch deutlich vergrößert.

Die Lenkung arbeitet straff und gibt eine ordentliche Rückmeldung, einfach zu rangieren ist er aber nur mit 2WD, dann wird die Lenkung auch leichtgängiger. Umgekehrt folgt der Navara mit 4WD im Slalomtest wesentlich exakter der Lenkung, das Fahrzeug schaukelt aber ordentlich hin und her, was sich bei 2WD nochmal ein wenig verstärkt.

Kommen wir aber noch mal zurück ins Gelände, nicht nur, dass die 360° Aussicht Vorteile bringt, neben dem zuschaltbaren Allradantrieb bietet der Navara Bergan- und Bergabfahrhilfe und eine Geländeuntersetzung sowie ein elektronisches Sperrdifferenzial – gewählt wird komfortabel per Drehregler. Und jetzt kann das Abenteuer erst richtig beginnen, ohne dass es abenteuerlich wird, denn mit einer Wattiefe von 60 cm, über 20 cm Bodenfreiheit, Schrägfahrten von 50,3° sowie ausreichend großen Böschungswinkeln wird dem Navara so schnell vor nichts bange, außer vielleicht dass der lange Randstand die Fahrt über Kuppen etwas einschränkt.

Zurück auf dem Asphalt geht es noch zum Bremsen. Innenbelüftete Scheibenbremsen vorn und Trommelbremsen hinten haben mit dem schweren Pick-up durch ihre Mühe. Damit legt sich der Pick-up bei einer Vollbremsung zwar ordentlich ins Zeug und taucht vorne tief ein, bleibt aber sicher in der Spur, je schlechter die Straße, je unruhiger wird das Heck. Aus Tempo 100 heraus steht der Navara aber erst nach über 43 Metern.

Motor/Getriebe

Hier nimmt Ihnen der Hersteller die große Qual der Wahl ab, es gibt derzeit nur 2,3-Liter Diesel mit 163 bzw. 190 PS. Doch was heißt nur? Der stärkere Biturbo-Motor geht zwar kernig zur Sache, vor allem beim Kaltstart und lässt sich auch viel Zeit mit dem Anspringen und Loskommen, geht dann aber richtig druckvoll ans Werk und unterstützt den Vortrieb mit mächtig Sound, vor allem draußen! Wenn er dann seine normale Temperatur erreicht hat, läuft er recht ruhig, hier und da machen sich aber Vibrationen bemerkbar.

Von 140 kW / 190 PS sowie einem maximalen Drehmoment von 450 Nm kann so mancher Pkw-Fahrer nur träumen, allerdings sollte man auch nicht vergessen, dass beim Navara ein Gewicht von rund 2 Tonnen zu bewegen sind. Das macht sich dann in einer Topspeed von 184 km/h, trotzdem kann der Japan-Pick-up mit seiner Schubkraft begeistern.

Das gilt dann auch für Fahrten auf der Autobahn, hier zieht er auch bei Tempo 130 noch mit mächtig Druck nach oben, bei 160 nehmen die Windgeräusche stark zu und es wird insgesamt sehr laut im Fahrzeug, bei 130 halten sich die Motorgeräusche noch im Hintergrund. Schön ist vor allem, dass man auf der Autobahn herrlich schaltfaul fahren kann, durch den kraftvollen Motor zieht er auch aus niedrigen Touren heraus prima hoch. 6. Gang geht auch bei Tempo 80 problemlos. Das Schalten ist nämlich eher so ein Kapitel für sich, dazu gleich mehr.

Blieben wir erst mal noch auf der Autobahn und beim Verbrauch. Bei etwa 130 liegt der bei etwa 9,8 Litern Diesel, und hier zählt praktisch jeder Stundenkilometer, denn wenn man sich mit 120 begnügt, geht der Durchschnittsverbrauch auf 7,6 Liter runter. Und bei Tempo 120 sind dann nicht nur der Verbrauch niedriger sondern auch die Windgeräusche praktisch weg.

Damit sind wir auch schon bei der täglichen Verbrauchsmessung. Witterungsbedingt mit zugeschaltetem Allrad haben wir in unserem gewohnten Mix laut Bordcomputer 8,1 Liter auf 100 km verbraucht – Nachmessen durch Tanken hat dabei noch einen Liter mehr ergeben. Gleiche Strecke mit 2WD ließ die Bordcomputer-Anzeige auf 7,7 Liter sinken, dabei waren wir aber vielleicht ein wenig flotter unterwegs. An die Werksangaben von 6,3 Litern sind wir nicht ran gekommen, somit sind auch die CO2-Werte von 167 g/km eher theoretisch, Euro 6 wird aber schon mal erfüllt. Hinzu kommt noch der Verbrauch von AdBlue.

Während die optionale Siebenstufen-Automatik den Navara etwas träge macht, sorgt der Sechsganghandschalter für mächtig Druck, allerdings muss man sich schon etwas anstrengen um exakt zu schalten, die Schaltwege sind lang und nicht gerade exakt und dann braucht man auch etwas Kraft zum Einlegen der Gänge. Neben der straffen Führung fällt auch der starke Holperer über die Leerlaufstellung auf.

Sicherheit

Alles andere als ein Raubein ist der Nissan Navara mit Blick auf die Sicherheit. Neben den obligatorischen Sicherheitsgurten und Kopfstützen auf allen Plätzen sowie die sechs Airbags bis hin zu den Kopfairbags vorne gesellt sich sogar ein Knieairbag für den Fahrer, ISOFIX gibt es auf den äußeren Rücksitzen.

Berganfahr-/Berganfahr-Assistent, ABS und ESP gehören ebenso zur Sicherheitsausstattung wie ein autonomer Notbremsassistent, auf einen adaptiven Tempomaten, eine Schildererkennung, Toterwinkel-Warner oder einen Spurhalteassistent muss man derzeit aber noch verzichten.

Ausstattung/Kosten

Los geht der neue Nissan Navara mit dem 163 PS-Motor und der King Cab sowie reinem Heckantrieb bei 26.910,- Euro, als Double Cab mit Allrad und 163 PS sind dann 31.110,- Euro zu veranschlagen.

Mit Double Cab und 190 BiTurbo PS geht es bei 32.960,- Euro los, unser Testwagen in der Ausstattungslinie Tekna beginnt bei 42.005,- Euro, 4×4 inklusive. Darüber steht dann nur noch die Automatikversion mit 43.655,- Euro in der Liste.

Und die Liste der serienmäßigen Ausstattung ist beim Tekna richtig lang, sie beginnt beim 6-Gang-Handschalter mit Stopp-Start-Automatik, geht weiter beim Lichtsensor, elektrisch verstell- und beheizbaren Außenspiegeln, elektrischen Fensterhebern, Außentemperaturanzeige, höhenverstellbarem Fahrersitz mit el. Lordosenstütze, Voll-LED-Scheinwerfern, Glas-Hub-Schiebedach, Lederausstattung, Nissan Connect mit Navi und 3 Jahren kostenlosem Kartenupdate, verdunkelten Scheiben ab der B-Säule, Lederlenkrad, 2-Zonen-Klimaautomatik, automatisch abblendendem Innenspiegel, 18 Zöllern und Einparkhilfe hinten, autonomem Notbremsassistenten, Rückfahrkamera sowie dem Optik-Paket mit Dachreling und LED-Licht.

Aus der Aufpreisliste seien an dieser Stelle nur mal die Differenzialsperre für 620,- Euro, die Metallic-Lackierung für 830,- Euro, die Anhängerkupplung für 710,- Euro, die ausziehbare Ladefläche für 1.165,- Euro und die Aluverkleidung der Ladefläche für 1.541,- Euro genannt.

Wartungsintervalle sind alle 2 Jahre oder 30.000 km fällig, die Garantie für den Gewinner des Int. Pick-up AWARD 2016 beträgt 5 Jahre oder 160.000 km.

Stand: Juli 2017; Test und Fotos: auto-reise-creative

Tweet about this on TwitterPin on PinterestShare on Google+Share on FacebookEmail this to someone

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.