Nissan Micra rollt aufgewertet ins neue Modelljahr

Niedlicher kleiner Micra, war einmal. Seit vergangenem Jahr stehen die Zeichen voll auf Angriff, hat Nissan den Micra völlig neu erfunden. Was bleibt ist einzig der Name. Und das ist gar nicht schlecht, wie unser Fahrbericht aufzeigt. Nun legt Nissan sogar mit einem Update nach und schickt die fünfte Generation günstiger und zudem weiter verbessert ins neue Modelljahr.

Karosserie/Design

Die Designer haben sich den Micra wirklich zur Brust genommen und den Kleinwagen radikal geändert. Die Neuauflage ist spürbar mehr Auto, der Längenzuwachs von stolzen 17 Zentimetern gegenüber der vierten Generation lassen sich nicht leugnen und so katapultieren ihn Größe und Proportionen nun mitten rein in die Welt der reinrassigen Kleinwagen – bewegte sich der Micra bis dato eher am Rand hin zum A-Segment. Breiter und niedriger geschnitten, hat der Micra auch einen richtig satten Stand.

Wer auch Mut zur Farbe beweisen möchte, wird schnell in der zur Wahl stehenden Lackpalette fündig. Aber auch wer sich für ein „dezentes“ Anthrazit entscheidet, kann auf farbliche Kontraste setzen, wie Sie in der Bildergalerie sehen können.

Die Personalisierungs- bzw. Folierungsmöglichkeiten sind dabei sehr umfangreich. Letztere reicht beispielsweise von einer zurückhaltenden Akzentfolierung, über eine Teilfolierung, bis hin zu einer Vollfolierung mit farblich kontrastierender Fronthaube und Dachpartie.

Innenraum

Nicht selten genug geht dann aber der Pepp im Innenraum verloren. Doch nicht so beim Nissan Micra.

Ob in Energy Orange, Power Blue oder Inspiration Red, die Applikationen in Kunststoff oder Leder sowie die farblich abgesetzten Sitzbezüge und Türverkleidungen heben die ohnehin gelungene Cockpitgestaltung richtig toll hervor.

Und auch was die Materialauswahl und deren Verarbeitung anbelangt, überrascht uns Nissan. Allesamt als Soft-Touch ausgeführt, begeistert uns vor allen Dingen die großflächig in Leder gehüllte Armatureneinheit, ist diese derart hochwertig ausgeführt – so in einem Kleinwagen noch nicht gesehen.

Und auch das Infotainment-System ist im B-Segment nicht die Regel. Fährt der Micra ab sofort mit einem verbesserten Nissan Connect Infotainment-System vor (ab der Ausstattung N-Connecta Serie und für Acenta und das Sondermodell N-Way für 750 Euro optional erhältlich). Denn das Smartphone kann nun ganz einfach via Apple CarPlay oder Android Auto mit dem Fahrzeug vernetzt werden. Gekoppelt an den sieben Zoll-Bildschirm sind bereits optisch Unterschiede auszumachen, doch vor allen Dingen die Änderungen dahinter sind tiefgreifend.

Nissan hat zum einen die Zahl der Druckknöpfe reduziert, aber vor allem die neue Multitouch-Bedienung via Display kann punkten. Der Startbildschirm kann darüber hinaus personalisiert werden, häufig genutzte Funktionen auf dem Display abgelegt und so direkt angesteuert werden. Alternativ erfolgt die Bedienung über eine integrierte Sprachsteuerung, die mittels Knopfdruck am Lenkrad aktiviert wird.

Und auch das Navigationssystem präsentiert sich verbessert: Neben einer neuen Suchfunktion und optimiertem Zoom, kann das Kartenmaterial ab sofort bis zu vier Mal im Jahr kostenlos aktualisiert werden – und das mindestens drei Jahre lang, drahtlos per Smartphone „over-the-air“. Mit dem neuen Nissan Connect Navigationssystem sind außerdem fünf Jahre lang die sogenannten TomTom-Services inbegriffen, die unter anderem Echtzeit-Verkehrsdaten zum Umfahren von Staus liefern. Mithilfe der Smartphone-App „Door-to-Door“ kann auch die nächste Fahrt schon von zuhause aus geplant und bequem ans Fahrzeug geschickt werden.

Auto in der Großstadt geparkt und Sie wissen nicht mehr wo. Mit der „Find my Car“-Funktion geht Ihr Auto künftig nicht mehr verloren, speichert sie den Parkplatz des eigenen Autos und navigiert Sie per Smartphone zurück zum richtigen Ort.

Absolut einzigartig im Segment und eines unserer persönlichen Highlights, das Bose Personal Sound-System. Mit sechs Boxen bis hin zu den in den Kopfstützen integrierten Lautsprechern ist mir ein grandioses Klangerlebnis sicher. Im Topmodell schon serienmäßig, ist es darüber hinaus für die Versionen Acenta und N-Connecta optional verfügbar.

Bei der Außenlänge von jetzt vier Meter verspricht der neue Micra natürlich auch mehr Raum im Inneren. Über die in der C-Säule „versteckten“ Griffe öffnen Sie die hinteren Türen. Vorsicht sei dem geraten, der auf den Rücksitzen auch Platz nehmen muss, stößt man sich hier schnell den Kopf am dynamischen Dachverlauf.

Und während auch Großgewachsenen eine großzügige Beinfreiheit geboten wird, birgt das Dach auch beim Sitz einen erheblichen Nachteil, wölbt sich dieses einfach zu stark nach unten.

Da fühlen wir uns vorne deutlich wohler, kommen wir hier nicht nur in den Genuss des Raumgewinns, wir nehmen auch auf einem tollen Gestühl Platz. Zwar könnte auch hier die Beinauflage etwas länger sein, aber was die Polsterung und die Ausformung der Seitenwangen angeht, für einen Kleinwagen wirklich ordentlich.

Das gilt auch für das schick unten abgeflachte Multifunktionslenkrad, kann das serienmäßige Volant sowohl in der Höhe wie auch in der Weite verstellt werden, was uns sehr entgegenkommt.

Was den Kofferraum anbelangt, lässt der Nissan Micra rein größentechnisch mit 300 bis 1.004 Liter zahlreiche Mitbewerber hinter sich. Doch in punkto Vielseitigkeit besteht Nachbesserungsbedarf. Gerade über einen doppelten Ladeboden würden wir uns freuen.

Komfort/Fahrwerk/Bremsen

Die Optik lässt zweifelsohne ein rassiges Fahrverhalten erwarten. Letztlich sollte man sich aber bewusst sein, doch „nur“ in einem Kleinwagen zu sitzen. Dafür macht der Nissan Micra seine Sache aber gut und erlaubt uns durchaus, die Kurven auch sportlicher zu nehmen. Die Verantwortlichen haben eine schöne Abstimmung gefunden, die sich als agil und zugleich angenehm komfortabel erweist.

Motor/Getriebe

Sie können nun zwischen zwei Benzinern wählen, dem 1,0-Liter-Vierzylinder mit 52 kW/71 PS oder dem in unserem Fahrzeug verbauten Turbo-Dreizylinder mit 0,9 Liter Hubraum und 66 kW/90 PS. Beide Ottomotoren erfüllen nun die Abgasnorm Euro 6c. Die zu Beginn angebotene Dieselvariante wurde somit aus dem Portfolio genommen.

Der 0.9 IG-T ist zwar schön spritzig, doch um richtig sportlich unterwegs zu sein, ist Schaltarbeit am manuellen Fünfgang-Handschalter angesagt, denn wenn auch die turbogeladenen 90 Pferdestärken bei einem Kleinwagen nach richtig viel Fahrspaß klingen, fehlt es ihm einfach an Drehmoment. Können hier die gerade mal 140 Nm einfach nicht genug ausrichten.

So begnügen wir uns aktuell mit einem Sprintwert von 12,1 Sekunden für den Spurt von null auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit liegt mit 175 km/h auf klassenüblichem Niveau.

Das gilt auch für den vom Hersteller angegebenen Durchschnittsverbrauch von 4,4 bis 4,6 Liter (abhängig von der gewählten Reifengröße).

Was übrigens die Zurückhaltung anbelangt, der Dreizylinder geht angenehm leise und deutlich weniger angestrengt als manch Mitbewerber ans Werk. Das hat uns sehr gefallen.

Sicherheit

Damit Sie sich zu jederzeit im neuen Micra sicher fühlen können, packt Nissan zahlreiche Assistenten an Bord, die man in diesem Umfang im B-Segment nur sehr selten oder gar nicht vorfindet.

Wie beispielsweise der Around View Monitor für eine 360-Grad-Rundumsicht, mit dem sich der japanische Automobilbauer ein absolutes Alleinstellungsmerkmal sichert.

Alles andere als selbstverständlich, finden wir außerdem eine Verkehrszeichenerkennung, einen Fernlicht- und Totwinkelassistent, den Spurverlassenswarner sowie den Intelligenten Spurhalte-Assistent vor.

Letzterer warnt Sie zunächst akustisch, gefolgt von einem Vibrieren im Lenkrad. Bleibt ein Einlenken deinerseits aus, führt der Assistent das Fahrzeug mit selektiven Bremseingriffen zurück in die Spur.

Ebenfalls ins Geschehen greift der in allen Modellen serienmäßige Intelligente Notbrems-Assistent mit Fußgängererkennung ein. Das System kann im Stadtbereich das Fahrzeug bei einem drohenden Aufprall sogar bis zum Stillstand bringen, reduziert die Aufprallstärke in jedem Fall aber deutlich.

Ausstattung/Kosten

Der Nissan Micra startet mit erweiterter Ausstattung und neuen Preisen ins Modelljahr 2018 und das künftig schon ab 11.990 Euro. Den Einstiegspreis senkt Nissan somit nochmals um tausend Euro. Unverändert ist der Nissan Micra in den fünf weiteren Ausstattungslinien erhältlich: Visia Plus startet ab sofort bei 13.890 Euro, der N-Way folgt ab 14.590 Euro, Acenta ab 15.590 Euro, der N-Connecta ist für 18.090 Euro und der Tekna ab 19.490 Euro erhältlich.

Und Exklusivität hat nun mal ihren Preis und wer auf Personalisierung setzt, kann die beiden Basisausstattungen Visia und Visia Plus gleich mal überspringen, stehen die Außendesign- wie auch farblichen Innenraum-Pakete erst ab der Ausstattungslinie Acenta zur Wahl.

Stand: August 2018; Test und Fotos: auto-reise-creative; Innenraumfoto: Nissan

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